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Naturgarten 10 Tipps für einen naturnahen Garten

Einheimische Pflanzen sind die Lebensgrundlagen von vielen Tierarten und deshalb besonders wichtig für die Biodiversität. Auch Totholz, Steinhaufen oder Biotope bieten wertvolle Lebensräume. So wird euer Garten zum Paradies für Schmetterlinge, Wildbienen, Eidechsen und Igel.

Kleine Raupen, die sich in farbenfrohe Schmetterlinge verwandeln. Igel, die sich in einem Laubhaufen verkriechen. Bienen, die von Blüte zu Blüte summen. Vögel, die in der Hecke nisten und Eidechsen, die sich auf warmen Steinen sonnen. In einem naturnahen Garten können bis zu 1000 verschiedene Tierarten beobachtet werden. Viel Spass dabei!

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Legende:Ein naturnaher Garten bedeutet nicht nur eine grosse Artenvielfalt, sondern auch weniger Arbeit.SRF

Je näher naturnahe Gärten beieinander liegen und je weniger gefährliche Strassen dazwischenliegen, desto grösser ist der Wert für Pflanzen und Tiere. Motiviert also am besten auch eure Nachbarn, ihren Garten naturnah zu gestalten.

Dasselbe gilt für vielfältige Strukturen. Je mehr unterschiedliche naturnahe Lebensräume auf kleinem Raum beieinander liegen, desto besser. Idealerweise realisiert ihr wenn möglich also gleich mehrere der folgenden Tipps in eurem Garten.

1. Alles stehen- und liegenlassen

Lebensraum für einheimische Tier- und Pflanzenarten zu schaffen, bedeutet nicht zwingend, Aufwand zu betreiben. Im Gegenteil. Statt stundenlang Jäten, kann man einfach zusehen, wie alles wächst und gedeiht. Die Natur bedankt sich bei denen, die es lockerer nehmen und sie machen lassen. So entstehen kleine Naturinseln ganz von allein oder durch gezielte Unterstützung durch Naturmodule, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Tipps

  • Bestimmt eine Ecke in eurem Garten, die ihr der Natur überlassen wollt. Räumt Äste und Laub nicht weg, lasst wachsen was gedeiht und beobachtet die Tiere, die sich mit der Zeit ansiedeln.
  • Mäht nur den Teil des Rasens, den ihr regelmässig betretet oder lasst am Rand einen Saum von mindestens einem halben Meter stehen.

2. Eine Blumenwiese anlegen

Rasenmähen ist nicht nur anstrengend und zeitraubend, für die Biodiversität ist ein gepflegter Rasen auch eher wertlos. Wie wäre es stattdessen mit einer bunten Blumenwiese, auf der Schmetterlinge und Wildbienen ihre Nahrung finden?

Blumenwiesen unterscheiden sich je nach Bodenbeschaffenheit, Klima und Bewirtschaftung von Standort zu Standort enorm. Mithilfe der Online-Plattform Floretia, Link öffnet in einem neuen Fenster könnt ihr herausfinden, welche einheimischen Pflanzen sich für welchen Standort besonders gut eignen oder welche besonders wertvoll sind für Wildbienen oder Schmetterlinge.

Tipps zum Anlegen einer Blumenwiese

  • Auf mageren und nährstoffarmen Böden gedeihen Wildblumenwiesen am besten. Der Boden sollte also nicht gedüngt werden.
  • Auf kleinen Flächen empfiehlt sich eine sogenannte Initialpflanzung. Das heisst: Pro Quadratmeter pflanzt man 3-5 standortgerechte Wiesenpflanzen direkt in die Rasenfläche. Gut eigenen sich zum Beispiel Flockenblumen, Skabiosen, Esparsetten, Ochsenauge und Disteln.
  • Der Vorteil des Säens einer Wildblumenmischung ist, dass jene Arten der Mischung gedeihen, die sich an diesem Ort wohlfühlen. Vor dem Aussäen sollte man den Boden freilegen – sät man direkt in den Rasen, können sich die Wildblumen nicht durchsetzen.

Zur Anleitung:

Bis frisch angelegte Blumenwiesen in voller Pracht blühen, braucht es etwas Geduld. Ihre volle Farbenpracht erreichen sie erst nach zwei bis drei Jahren und entwickeln sich dann von Jahr zu Jahr weiter.

3. Tierfreundlich mähen

Bestenfalls mäht man Blumenwiesen mit der Sense oder wenn es sein muss mit einem Fadenmäher. Mit dieser Methode lässt man Insekten und andere Tiere am Leben. Der Rasenmäher ist nicht geeignet, da er Pflanzen und Tiere zerstückelt.

Mäh-Tipps

  • Gestaffelt mähen: Einen Teil der Wiese im April mähen, dann nochmals Mitte Juni und im Juli. Erst die grasreichen Teile, dann die blütenreichen. So finden Insekten länger Nahrung.
  • Rückzugsstreifen stehenlassen: So können sich Insekten darin zurückziehen.
  • Schnittgut einen Tag liegen lassen: Bevor das Schnittgut abgeführt wird, einen Tag liegen lassen. So können die Insekten sich rechtzeitig in die Rückzugsstreifen verkriechen.

Zur Anleitung:

4. Auf Chemie verzichten

Auf chemische Pestizide sollte bei der Pflege einer naturnahen Fläche konsequent verzichtet werden. Diese sind regelrechte Artenkiller – und zwar nicht nur für jene Tiere und Pflanzen, die man loswerden will. Auch beim Einsatz von biologischen Mitteln muss man sich bewusst sein, dass diese für Insekten und andere Kleinlebewesen nicht unbedenklich sind.

Weitere Tipps für einen Garten ohne Gift gibt es im Faktenblatt von WWF Schweiz., Link öffnet in einem neuen Fenster

5. Einheimische Heckenpflanzen

Viele Schweizer Gärten sind mit gebietsfremder Thuja als Sichtschutzhecke bepflanzt. Diese bietet unseren einheimischen Tieren aber weder einen geeigneten Lebensraum, noch Nahrung. Für einen Naturgarten eignen sich einheimische Sträucher.

Nicht alle Heckenpflanzen gedeihen an jedem Standort gleich gut. Auf floretia.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster könnt ihr herauszufinden, welche Pflanzen für einen spezifischen Standort am besten geeignet sind.

Zur Anleitung:

Tipps zur Heckenpflege

  • Wilde und unregelmässig gepflanzte Sträucher bieten vielen Tieren Schutz und Lebensraum.
  • Falls du Laub in deinem Garten nicht liegenlassen willst, entsorge es nicht im Grünabfall, sondern deponiere es in der Hecke. Dort bietet es Unterschlupf und Nahrung für viele Tiere wie Igel, Würmer, Insekten oder Blindschleichen und wird von kleinen Bodelebewesen zu nährstoffreichem Humus zersetzt.
  • Entgegen der landläufigen Meinung müssen Heckenpflanzen für einen guten Wuchs gar nicht so oft geschnitten werden – im Gegenteil. Blumen und Früchte kommen nur hervor, wenn die Hecke nicht jedes Jahr geschnitten wird.
  • Mit etwas Glück kann beobachtet werden, wie beispielsweise eine Amsel in der Hecke brütet. Den Vögeln zuliebe ist es deshalb wichtig, die Hecken nur ausserhalb der Brutzeit zu schneiden.

6. Neophyten – schön aber ökologisch wenig wertvoll

Neophyten sind gebietsfremde Pflanzen, die seit der Entdeckung Amerikas 1492 absichtlich oder unabsichtlich in die Schweiz eingeführt wurden. In einem Naturgarten sollte möglichst auf Neophyten verzichtet werden, denn diese haben unserer heimischen Tierwelt wenig zu bieten.

Viele Exoten lassen sich gut mit einheimischen Pflanzen kombinieren. Invasive Neophyten wie Sommerflieder, Robinien, Kirschlorbeer, Götter- oder Essigbäume breiten sich jedoch auch ausserhalb des Gartens aus und verdrängen einheimische Pflanzen. Deshalb sollten diese Pflanzen vermieden oder sogar bekämpft werden.

Zur Anleitung:

Laut Info Flora, Link öffnet in einem neuen Fenster, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, stehen 40 Arten invasiver Neophyten auf einer Schwarzen Liste, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die dort aufgeführten Pflanzenarten gefährden die menschliche Gesundheit, schädigen die Biodiversität oder richten ökonomische Schäden an, zum Beispiel in der Landwirtschaft. Nützliche Tipps für den Umgang mit invasiven Neophyten und deren Bekämpfung gibt es auf www.neophyten-schweiz.ch., Link öffnet in einem neuen Fenster

7. Ast- und Laubhaufen

Ein umgefallener Stamm, ein hölzerner Zaunpfahl oder ein abgestorbener Baumstrunk ist alles andere als tot - im Gegenteil. Totes Holz ist voller Leben.

Asthaufen
Legende: Asthaufen sind ein gutes Versteck für den Igel und Nistplatz für das Rotkelchen oder den Zaunkönig. SRF

Pilze und diverse Insekten beleben Totholz besonders gerne. Asthaufen bieten vielen Tieren Unterschlupf, Nahrung und Lebensraum. Besonders wichtig sind sie für Blindschleichen, Kröten und Eidechsen, aber auch für Vögel, Fledermäuse und verschiedene Insekten.

Zur Anleitung:

Asthaufen ist nicht gleich Asthaufen. Je nach dem, wie und wo er errichtet wird, wird er andere Tiere anlocken. Genaue Anleitungen für das Bauen eines Asthaufens sind bei den entsprechenden Fachstellen zu finden.

Auch Laub kann getrost liegen gelassen werden. Lärmige Laubbläser sind nicht nötig, denn Laubhaufen sind Lebensräume für zahlreiche Bodenlebewesen. Nach einer Weile wird das Laub zu humusreichem und somit wertvollem Kompost.

8. Steinhaufen oder Steinmauer

Mauern aus Steinen, sogenannte Trockenmauern, oder auch einfache Steinhaufen bieten Unterschlupf für Eidechsen, Kröten, Molche und Blindschleichen. Auch Insekten verstecken sich gerne in den Steinritzen.

Trockenmauer im Naturgarten
Legende: Eine Trockenmauer ist eine Mauer aus aufeiandergeschichteten Natursteinen, wobei kein Beton und Mörtel verwendet wird. SRF

Tipps zu Trockenmauern und Steinhaufen

  • Wichtig bei Trockenmauern sind Spalten und Hohlräume in unterschiedlichen Grössen, damit sich verschiedene Tiere darin verkriechen können.
  • Steine können zu einem Haufen geformt werden, möglichst an einem sonnigen und trockenen Platz. Je grösser der Haufen ist und je mehr Struktur er hat, desto besser.
  • Wird neben einem Steinhaufen auch noch ein Sandhaufen angelegt, können Eidechsen dort ihre Eier ablegen.
  • Mit Ziegeln, Backsteinen oder Platten können in einem Loch im Boden (mind. 30 cm tief) Hohlräume geschaffen werden. Diese dienen Tieren wie Kröten, Eidechsen, Blindschleichen oder Igeln als Rückzugsort oder als Winterquartier.

Auch für Steinstrukturen gilt: Je nach dem, an welchem Standort und wie sie errichtet werden, finden andere Tiere darin Schutz und geeigneten Lebensraum. Genaue Anleitungen für das Bauen einer Steinstruktur sind bei den entsprechenden Fachstellen zu finden.

9. Eine Wasserstelle errichten

Teiche und Biotope sind wichtige Lebensräume für Amphibien wie Grasfrösche und Bergmolche. Zudem sind sie willkommene Wasserspender für durstige Igel, Vögel und Insekten. Wer mit einem Teich besonders Amphibien fördern möchte, findet bei der Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz (karch) viele nützliche Informationen zum Weiherbau für Amphibien., Link öffnet in einem neuen Fenster

Teich im Kiesbeet
Legende: Die seltenen Kreuz- und Geburtshelferkröten brauchen einen unbewachsenen Teich, der am Ende des Sommers auch mal austrocknet. SRF

Biotop-Tipps

  • Der optimale Standort eines Teiches ist im Halbschatten.
  • Wegen des herunterfallenden Laubes wird der Teich aber bestenfalls nicht direkt unter einem Baum angelegt.
  • Freilebende Tiere dürfen nicht im Gartenteich ausgesetzt werden. Wenn der Standort des Gewässers für die Tiere passt, finden sie den Weg dorthin von alleine.

Achtung: Manchmal braucht man für den Bau eines Teiches eine Baubewilligung. Die Gemeinden können dazu Auskunft geben.

Es muss aber gar nicht zwingend gleich ein ganzer Teich sein. Auch kleinere weniger aufwänidge Wasserstellen sind sehr wertvoll.

Zur Anleitung:

10. Der Garten am Bau

Beim Bau eines Hauses, wird der Natur eine bestimmte Fläche genommen. Diese Fläche kann ihr wieder zurückgegeben werden, zum Beispiel in Form einer Dach- oder Mauerbegrünung. Vielleicht nistet schon bald ein Vogel neben dem Fenster.

Mauerbegrünung mit Efeu.
Legende: Fassadenbegrünungen haben den positiven Effekt, dass sie das Haus im Sommer kühlen. SRF

Dachbegrünung:

Ein Dach ist immer ein Extremstandort. Das heisst: Die Pflanzen, die dort leben, sind Temperaturen von -20 bis 50 Grad ausgesetzt. Das sollte bei der Wahl der Pflanzen beachtet werden. Je dicker die Bodenschicht ist, desto mehr verschiedene Pflanzenarten können wachsen. Entscheidet man sich für das Aussäen einer Samenmischung, werden diejenigen Arten gedeihen, die sich am Standort am wohlsten fühlen.

Sogar ein steiles Ziegeldach lässt sich begrünen, denn dort lassen sich Spezialisten wie Hauswurz oder Mauerpfeffer pflanzen. Auf einem Flachdach ist die Bepflanzung jedoch am einfachsten.

Tipps Dachbegrünung

  • Für eine hohe Biodiversität sollte nicht das ganze Flachdach gleich bepflanzt werden. Mit verschiedenen Substraten und Schichtstärken schafft man unterschiedliche Voraussetzungen für mehr Vielfalt.
  • Totholzinseln für Insekten machen die Dachbegrünung noch vielfältiger und naturnaher.

Fassadenbegrünung:

Eine Begrünung schützt die Fassade vor Witterungseinflüssen und hat bei hohen Temperaturen eine kühlende Wirkung auf die Umgebung. Zudem bietet sie Insekten und Vögeln wichtigen Lebensraum.

Tipps Fassadenbegrünung

  • Rankende Pflanzen wie Hopfen, Zaunrübe, Schmerwurz oder Wald-Geissblatt brauchen eine Kletterhilfe, die an der Fassade montiert wird.Bei Aussenisolationen ist Vorsicht geboten.
  • Selbstklimmende Pflanzen wie Efeu oder Wilder Wein wachsen ohne Rankhilfe. Man sollte aber sicherstellen, dass sie nicht in Mauerritzen, in Unterdach oder Storenkästen hineinwachsen.
  • Auch Nutzpflanzen wie Obstspaliere lassen sich an die Fassade pflanzen.

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