Konservativ – was heisst das?

  • Freitag, 5. Juni 2020, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 5. Juni 2020, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 5. Juni 2020, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

«Konservativ» - Was bedeutet das eigentlich? Vor allem in einer Zeit, in der vieles aus den Fugen scheint und das Neue, Innovation, Reformen - was auch immer damit gemeint ist - an und für sich für erstrebenswert gelten.

Muss das Alte einfach weg? Statt sich vom Tabula-Rasa-Prinzip und der Disruption das Blaue vom Himmel herunter zu versprechen, kann man auch zum Schluss kommen, dass es nicht weniges gibt, das sich zu bewahren lohnt. Doch «Konservatismus» ist ein politisch heftig bekämpfter Begriff. Er kann Haltung sein oder Ideologie.

Es gibt rechte und liberale Varianten – und den Wertkonservatismus, der sich teils gar mit linken Inhalten füllen lässt. Über diese Vieldeutigkeit ein Gespräch mit der Historikerin Martina Steber (Institut für Zeitgeschichte, München) und über die bewahrenden Mechanismen der Ethnologie Überlegungen von Till Förster (Universität Basel).

Beiträge

  • Mögliche Antworten in Zeiten des Umbruchs

    Mit dem sehr offenen Begriff «konservativ» lässt sich vieles anstellen. Konservative Werte wie Familie, Ordnung, Autorität, Religion, Patriotismus lassen sich auf höchst unterschiedliche Art interpretieren.

    Konservatismus bedeute, auf Kontinuität zu setzen, nicht alles zu bewahren, sondern das Bewährte. Eine mögliche Reaktion auf die Beschleunigung und Disruption der Gegenwart.

    Der Wunsch von Martina Steber, Historikerin am Institut für Zeitgeschichte in München, wäre es, dass liberale Konservative ihre Begriffe und Werte lauter verteidigen würden, gegenüber der politischen Rechten.

    Raphael Zehnder

  • Die ethnologische Demontage des Begriffs «Tradition»

    Die ethnologische Demontage eines Begriffs Traditionen sind keineswegs «Abbilder» von Vergangenem, das in die Gegenwart gerettet werden sollte.

    Vielmehr ist «Tradition» ein Konstrukt, das vor allem mit der Gegenwart zu tun hat - meint der Ethnologe Till Förster von der Universität Basel. Denn wer sich auf «Tradition» beruft, pickt nur die kulturellen Elemente heraus, die ihm gerade zweckdienlich erschienen und blendet störende Elemente aus, es entsteht ein verzerrtes Bild. Das ist nicht nur in der Politik und am Familientisch so, sondern auch in der Geschichte der Ethnologie selber.

    Maya Brändli

Autor/in: Raphael Zehnder, Maya Brändli, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Anna Jungen