Zum Inhalt springen

Header

Video
Der Peperoni auf der Spur: Mit jeder zweiten essen wir Pestizide
Aus Kassensturz vom 15.10.2019.
abspielen
Inhalt

Kassensturz-Tests Der Peperoni auf der Spur

Peperoni gehört zu den drei beliebtesten Gemüsen in der Schweiz, doch nur drei Prozent davon stammen aus heimischer Produktion. «Kassensturz» folgt dem Weg der Peperoni in die Schweiz und lässt sie im Labor testen. Das Ergebnis: Rückstände von Pestiziden in jeder zweiten Probe.

Reich an Vitamin C, kalorienarm und knackig: Peperoni ist das am drittmeisten verkaufte Gemüse der Schweiz. 38'000 Tonnen landen jährlich auf Schweizer Tellern – 4,5 Kilo pro Kopf. 97 Prozent der verkauften Peperoni stammen aus Spanien und Holland.

Der Einsatz neuer Technologien machen in Holland den Mangel an Sonne wett, deshalb können die Peperoniproduzenten mit südeuropäischen konkurrieren.

Peperonis auf dem Band
Legende: Holland ist der zweitgrösste Peperoniproduzent Europas. SRF

Rentabilitätssteigerung durch Innovation

Arnaud van Dijk, ist Geschäftsführer von VD Holland, einem der grössten Betriebe. Er sagt, er hätte wie alle Produzenten als kleines Familienunternehmen begonnen. Heute ist die Anbaufläche 18'000 Quadratmeter gross, das entspricht 2,5 Fussballfeldern.

Mann mit Trotti in der grossen Halle
Legende: Die Gewächshäuser sind riesig und sehr innovativ. SRF

Um die Rentabilität zu steigern, hat er die riesigen Gewächshäuser automatisiert. Und er setzt auf neue Technologien: In den Heizrohren fliesst heisses Wasser, das aus zwei Kilometern Tiefe kommt. Zudem hat die Firma auf Hors-Sol umgestellt.

Hors-Sol-Anbau

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Beim bodenfreien Anbau werden die Pflanzen in beheizbaren Gewächshäusern in Wasser-speichernden Substraten wie Steinwolle, Kokosfasern oder Schaumstoff gesetzt. Durch Tröpfchenbewässerung erhalten sie Nährstoffe und Wasser nach Bedarf. In einem anderen Verfahren stecken die Pflanzen direkt in einer flüssigen Nährlösung.

Wer sicher gehen will, dass sein Gemüse und seine Früchte im Boden und nicht in Substraten produziert worden sind, muss Bio-Produkte kaufen, denn sie müssen in Erde gewachsen sein.

Die Firma Van Geest International betreibt Gemüsehandel en gros und verkauft Peperoni in die Schweiz. Der Markt ist umkämpft, sagt der Verkaufsleiter Alex van Luijk. Die Preise schwanken stark, dazu komme, dass die Margen klein seien. Vom Firmensitz in Rotterdam brauchen die Lieferwagen zwölf Stunden in die Schweiz. Drei bis sechs Tage nach der Ernte sind die Peperoni in Schweizer Supermärkten.

Paprika-Ampel statt Vielfalt im Detailhandel

Paprika-Ampel statt Vielfalt im Detailhandel

Peperoni ist ein vielfältiges Gemüse, das es in den verschiedensten Grössen, Farben und Schärfegraden gibt. Im Detailhandel sind meist nur quadratischen Peperoni, in roter, gelber und grüner Farbe erhältlich.

Tulipan Zollinger, entwickelt biologisches Saatgut. Er erklärt diese Standardisierung damit, dass das eine Folge davon, ist dass Supermärkte eine konstante Versorgung zu tiefen Preisen wollen.

Kleinere Erträge in der Schweiz

In der Schweiz wird die Peperoni bislang nur auf kleinen Flächen angebaut. Roland Stoll ist einer der wenigen Produzenten. Sein Betrieb ist in Yverdon-les-Bains (VD). Der Ertrag der holländische Hors-sol Produktion sei um ein vieles höher als in seiner, sagt er. Die Schweiz erhebt keine Zölle auf die Einfuhr von Peperoni, deshalb stehen einheimische Produzenten wie Roland Stoll im direkten Wettbewerb mit ausländischen Anbietern.

Roland Stoll
Legende: Roland Stoll baut ebenfalls den sogenannte quadratischen Peperoni an und zwar herkömmlich. Der Ertrag ist viel kleiner. SRF

Trotzdem entschied er sich im Jahr 2014 die Produktion auszubauen. Die Firma wollte die Gewächshäuser besser ausnutzen. So entstand die Idee im Sommer Peperoni anzubauen. Dazu gäbe es eine Nachfrage nach lokalen Produkten und die Konsumenten seien bereit dafür zehn bis fünfzehn Prozent mehr zu bezahlen, sagt Roland Stoll.

Unerfreuliche Testresultate

«Kassensturz» und die Westschweizer Konsumentensendung «A Bon Entendeur» haben Peperoni von zehn Schweizer Detailhändlern ins Labor geschickt und nach Rückständen von Pestiziden untersuchen lassen: Fünf Proben waren frei von Rückständen, in den restlichen Fünf fand das Labor Spuren von Pestiziden und Fungiziden.

Die gefundenen Mengen zwischen 0.010 und 0.12 mg/kg bewegen sich unterhalb der Grenzwerte. Trotzdem sind die Resultate unerfreulich. Das Problem ist, dass auch andere Lebensmittel Pestizidrückstände enthalten und sich das kumuliert.

Testtabelle

Testtabelle

Die detaillierten Testresultate finden Sie hier.

Stellungnahmen der Detailhändler

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
  • Aldi

Der Grenzwert von Methoxyfenozid (Insektizid) bei Peperoni beträgt 1 mg/kg. Der von Ihnen gemessene Wert entspricht einem Hundertstel davon und liegt somit weit unter dem Grenzwert.

  • Lidl

Wir stellen fest, dass wir uns deutlich unter dem gesetzlich erlaubten Höchstgehalt des Fungizids (Azoxystrobin) befinden.

  • Manor

Die Menge von 0,01 mg des Fungizids (Metrafenon) liegt weit unter der gesetzlichen Norm, die 2 mg beträgt. Dadurch stellt sie kein Risiko für die Gesundheit der Konsumenten dar.

  • Migros

Die gefundene Rückstandskonzentration von Acetamiprid (Insektizid) bei den gelben Peperoni aus der Schweiz liegt weit unter dem gesetzlich definierten Höchstwertfür diese Produkt-Wirkstoff-Kombination.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Einmal mehr, ist es die gesamte Summe an verschiedensten chemisch-pharmazeutischen Giften, welche ERDE - WASSER, Ökosystem-Umwelt, Tier und den Menschen, als letztem Glied in der Nahrungskette (Allesfresser- und Schlucker), gesundheitlich schädigt, vergiftet! Der Mensch ist, was der Mensch isst, trinkt und einatmet!! Siehe das seit Jahren florierende "Gesundheits-Un-Wesen" der Schweiz!! Mehr Gifte = mehr Erkrankungen bei Tier und Mensch!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Und trotzdem werden die Menschen immer älter? Schon beinahe zu alt wenn man die Kosten und den Aufwand fürs alt werden berücksichtigt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Sogar die Bio-Peperoni sind vollgekupfert! Glücklich, wer sie im eigenen Gewächshäuschen ziehen kann. Meine Peperonistauden, aber auch Pfefferschoten, Tomaten aller Art und Auberginen tragen jedes Jahr kiloweise, sehen aus wie geschmückte Weihnachtsbäume, dazwischen spriesst in rauhen Mengen Basilikum, es reicht sogar nocht die Tiefkühlschubladen zu füllen, sodass man auch im Winter gefüllte Peperoni oder Pizzen usf backen kann.... alles ohne Gift oder Heizung.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Jakob Schluep  (Fueli)
    Pestizid-Rückstände in Peperoni. Der Konsument hat Angst, Angst vor Chemie. Immerhin wird noch gesagt - das interessiert schon weniger - dass alle gemessenen Werte unterhalb des Grenzwertes lagen.
    Ein Vergleich: die Polizei stellt fest, dass 80 Prozent der gemessenen Verkehrsteilnehmer alkoholisiert waren. Angst, auf die Strasse zu gehen! Am Schluss wird immerhin noch gesagt, dass alle gemessenen Werte unterhalb 0.5 Promille lagen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Arnold Vass  (Captain Planet)
      Hr. Schluep, sie scheinen mir den letzten Satz nicht richtig verstanden zu haben. Die Rede ist nicht nur von Peperoni, sondern von ganz vielen anderen Gemüse- und Fruchtsorten, welche ebenfalls Rückstände unter den jeweiligen Grenzwerten haben können. Bei mehrmaligem, regelmässigem Konsum kann sich das aber schnell akkumulieren und diese Grenzwerte überschreiten.
      Ich denke dieses Thema dürfen wir nicht schön reden, sondern müssen uns ernsthaft damit beschäftigen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Arnold Vass  (Captain Planet)
      Hr. Schluep, die Rede ist nicht nur von Peperoni, sondern von ganz vielen anderen Gemüse- und Fruchtsorten, welche ebenfalls Rückstände unter den jeweiligen Grenzwerten haben können. Bei mehrmaligem, regelmässigem Konsum kann sich das aber schnell akkumulieren und diese Grenzwerte überschreiten.
      Ich denke dieses Thema dürfen wir nicht schön reden, sondern müssen uns ernsthaft damit beschäftigen, schliesslich geht es um unsere Gesundheit!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen