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Bytes/Pieces Werden wir von Facebook belauscht?

Du sprichst mit deiner Freundin über ein Produkt und im nächsten Moment erscheint Werbung dafür in deinem Facebook-Feed und dann bist du dir sicher: Facebook hört mit. Urban Myth oder Real Talk? «Bytes/Pieces» sucht Antworten.

Logisch, wenn du gerade den Reiseführer für Panama als E-Book bestellt hast, bei Instagram den Feed zu #schönstesträndepanama durchscrollst und nebenbei nach den günstigsten Hostels für die erste Nacht suchst, kann Facebook davon ausgehen, dass deine nächste Reise nicht ins Südtirol geht. Höchstwahrscheinlich wirst du darauffolgend Werbung zu günstigen Flügen nach Mittelamerika und schönen Hotels am Strand bekommen.

Dann gibt es aber noch die andere Werbung. Die, die für ein Produkt wirbt, über welches du erst gestern gesprochen hast, aber nie im Internet gesucht hast. Zapft Facebook also unsere Handymikrofone an, um ein noch besseres Userprofil zu erstellen?

Was sagt Mark Zuckerberg dazu?

2016 veröffentlichte Facebook eine Stellungnahme, Link öffnet in einem neuen Fenster, worin der US-Konzern festhält, dass das Unternehmen bei Alltagsgesprächen nicht mithörten, um die Audiodaten für die Verbesserung der User-Profile zu verwenden. Und Mark Zuckerberg persönlich musste 2018 genau diese Frage auch vor dem US-Kongress beantworten. Seine Antwort war klar: «Nein, das tun wir nicht.» Das Unternehmen würde lediglich die Audiospuren aus den Video-Files, die wir auf die Plattform laden, weiterverwenden.

Theoretisch könnten sie mithören, aber...

Gehen wir davon aus, dass Facebook mithört und alle Daten von unserem Handy an einen Facebook-Server schickt, dann würde das bedeuten, dass dieser Server alles erkennen müsste, was wir sagen. Ein ziemliches schwieriges Unterfangen, vor allem bei weniger gebräuchlichen Sprachen wie: Schweizerdeutsch. Der Algorithmus müsste also alles, was wir sagen, auch in Text umwandeln. Nur so können gezielte Werbemassnahmen herausfinden, worauf wir eventuell empfänglich sein könnten. Laut der Aussage eines ehemaligen Facebook-Managers wäre das bei rund 2,7 Milliarden weltweiten Nutzern eine unheimliche Menge an Audiodaten, die die Facebook-Server dauernd bearbeiten müssten.

Bytes/Pieces

Bytes/Pieces

«Bytes/Pieces» ist das investigative Hintergrundformat für junge Menschen im Netz. Lena Oppong und das Team von SRF Data beantworten Fragen wie: «Woran erkenne ich Fake Follower auf Instagram» oder: «Warum gehen die Schweizer Waffenexporte nur scheinbar zurück?» – faktenbasiert, seriös und trotzdem unterhaltsam.

Keine Anzeichen für Audiodatentransfer gefunden

Das bestätigt auch die Electronic Frontier Foundation (EFF). Die amerikanische NGO setzt sich für digitale Sicherheit und Bürgerrechte im Netz ein und hat für einen amerikanischen Fernsehsender den Datentransfer von der Facebook-App zum Facebook-Server überwacht. «Logischerweise konnten wir Unmengen von Daten erkennen, die da hin- und hergeschickt werden, aber es waren keine Sprachdateien dabei», sagt Bill Budington, der das Experiment leitete.

Das legt nahe, dass Facebook nicht mithört. Er betont jedoch: «Das Unheimliche an der Sache ist: Facebook muss uns nicht zuhören, um zu wissen, worüber wir gesprochen haben.»

What? Und wie kann das Facebook trotzdem wissen?

Nun, Facebook selber hält sich sehr bedeckt, wenn es um die eigene Werbestrategie geht. Entsprechend hat der Internetgigant bisher keine Darstellung veröffentlicht, die das detailliert erklärt.

Was klar ist: Facebook kennt unter anderem unser Freundesnetzwerk besser als wir selber: Wie dick wir mit wem befreundet sind, auf wen wir stehen, von wem wir uns getrennt haben. Diese Informationen könnten äusserst wertvoll sein, wenn es darum geht, Werbung auszuspielen. Leute, die befreundet sind, ticken grundsätzlich ähnlich – und fahren entsprechend wohl auch auf die gleichen Produkte ab. Das könnte ein Erklärungsversuch sein, wieso Facebook uns Werbung ausspielt, kurz nachdem wir uns mit einem (engen) Bekannten getroffen haben. Unabhängig davon, worüber wir eigentlich gesprochen haben. Nur fällt es uns besonders auf, wenn wir zufälligerweise gerade darüber gesprochen haben.

So kannst du dich schützen

Wenn dir die Sache trotzdem noch zu unheimlich ist, du aber auf keinen Fall auf Facebook verzichten willst, gibt es zwei Sachen, die deine Situation verbessern könnte:

  • Installiere einen Tracking- Blocker, zum Beispiel den «Privacy Badger» der EFF, Link öffnet in einem neuen Fenster: So kann Facebook nicht mehr nachvollziehen, auf welchen Websites du dich sonst noch herumtreibst. Entsprechend weiss das Unternehmen auch nicht, dass du gerade auf der Homepage des Hostels in Panama warst.
  • Benutze Facebook nur über einen Webbrowser, auch auf dem Handy. So ist es für Facebook etwas schwierig, dich zu tracken – zum Beispiel, deinen aktuellen Standort auszulesen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Warum wollen die eigentlich unsere Daten? Es geht um Geld. Geld aus der Werbung. Und zwar nur darum. Personalisierte Werbung bringt nun mal mehr Umsatz als wegklickbare Werbung. Da muss sich jeder selber fragen, ob er das will.
    Das geht heute schon soweit, dass Gemeinden diesen Goldesel erkannt haben und da auch ganz gerne melken würden. Die Zukunft bringt noch mehr Volksverdummung aka. Werbung. Und zwar aufgezwungen, genau so wie die Service Public (oder Service Werbung) Abgabe!
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  • Kommentar von Thomas Brand  (tomcomm)
    Apropos Browser verwenden um Standort nicht preiszugeben, das ist unwahr. Der Standort kann mit anderen Randdaten eruiert werden, also bitte diesen "Tip" mit Vorsicht geniessen.
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  • Kommentar von Thomas Brand  (tomcomm)
    Apropos Schweizerdeutsch, es wäre falsch anzunehmen, dass dies für einen Algorithmus eine Geheimsprache darstellt. Diese Erkennung existiert bereits, es werden mehrere Dialekte mühelos verarbeitet. Es ist eine Voraussetzung um die Settop-Box und weitere Geräte so wie einem der Schnabel gewachsen ist sprachsteuern zu können.
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