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Solche Bilder gibt es in der Schweiz frühestens 2021 wieder. (Openair St. Gallen 2019)
Legende: Solche Bilder gibt es in der Schweiz frühestens 2021 wieder. (Openair St. Gallen 2019) Keystone
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Musik-Blog Der Bundesrat sagt den Festivalsommer ab. Seid ihr erleichtert?

Endlich herrscht Klarheit. Der Bundesrat hat beschlossen, dass bis Ende August in der Schweiz keine Grossanlässe stattfinden. Ich frage mich, ob man sich fragen darf, ob das die richtige Entscheidung war.

Ich weiss nicht, wie es euch geht. Ich persönlich bin froh, hat sich der Bundesrat endlich konkret geäussert, bis wann die Durchführung von Grossanlässen in der Schweiz kein Thema ist. Für mich ist es relativ einfach. Schliesslich lebe ich für Konzerte und Festivals und nicht von ihnen. Für Veranstalter, Musiker, Techniker usw. bedeutet diese Situation hingegen eine noch nie dagewesene und unter Umständen existenzbedrohende Herausforderung.

Gregi Sigrist

Gregi Sigrist

Musikjournalist für Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen

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Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Zu seinen Musik-Blogs

Wir sind in einer Krise. Täglich informieren wir uns über die Rahmenbedingungen für unser privates und berufliches Leben. Wir stecken Bedürfnisse zurück, befolgen Weisungen, harren aus. Wir schätzen ab, welches Verhalten welche Auswirkungen haben könnte. Dabei sind wir uns bewusst, dass unsere Kompetenzen beschränkt sind.

Gefährliche Fragen

Hat der Bundesrat richtig entschieden, indem er wegen dem Corona-Virus bis auf Weiteres keine grossen Konzerte zulässt? Eine solche Frage zu stellen, erscheint uns gefährlich. Genauso gefährlich ist es, solche Fragen nicht zuzulassen. Höchstgefährlich ist es, Leuten, die solche Fragen stellen, nicht zuzuhören.

Mit solchen Gedanken will ich unter keinen Umständen zum Ungehorsam aufrufen. Eine uneingeschränkte Diskussions-Kultur ermöglicht uns aber unter Umständen, Kompromiss-Lösungen anzudenken und Zwischenwege zu erörtern.

Wunschdenken ist nicht angesagt

Ignoranz, Fatalismus und Wunschdenken müssen wir dabei ausklammern. Weder unsere Gesellschaft und Wirtschaft, noch unser Wohlstand sind auf diesen Pfeilern aufgebaut oder abgestützt. Was wir aber unbedingt tun müssen: Möglichkeiten prüfen und uns Gedanken zum Thema «Freiheit versus Sicherheit» machen. Dabei gilt es aktuell, kleiner zu denken.

Gibt es bald «Kinderkonzerte»?

Die Kitas sind seit dieser Woche wieder voller. Die Schulen und Kindergärten öffnen am 11. Mai. Kinder gelten nicht als Treiber der Epidemie. Bedeutet das, dass man schon bald Konzerte für Kinder veranstalten kann? Vielleicht auf den Pausenplätzen der Schulhäuser? Bands wie Marius & die Jagdkapelle oder Silberbüx könnten dabei vom Dach aus oder aus den Schulhausfenster (also aus sicherer Distanz) auftreten.

Vorstellbar wäre auch ein klassisches Streich-Quartett, eine Theater-Truppe oder eine Pop-Band, die den Schulalltag bereichert. Ich glaube, die Eltern wären nach dem Lockdown bereit, für die Künstler-Gage aufzukommen. Allerdings: Ist das verantwortbar? Wo liegen die Probleme? Wie sehen Lösungsansätze aus?

Würde überhaupt jemand an eine Grossveranstaltung gehen?

Eine hypothetische Frage habe ich noch. Angenommen, die Schweiz würde eine andere Strategie verfolgen, als dies der Fall ist. Angenommen, es würden in diesem Sommer Grossveranstaltungen – konkret Musikfestivals – stattfinden. Angenommen, die gebuchten Bands würden an diesen Festivals auftreten können und wollen. Wärt ihr bereit, zwei, drei oder vier Tage mit Zehntausenden von Menschen auf engstem Raum zu verbringen?

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Zuckermann  (azu)
    Ich glaube das könnte der Sommer für "kleinere" Bands und Festivals werden, da Anlässe mit bis zu 1000 Leuten wahrscheinlich erlaubt werden. Da ist ja noch nichts entschieden. Also werden wir diesen Sommer endlich mal ruhe haben von den ewig gleichen "grossen" Acts und dafür viele neue Bands entdecken.
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  • Kommentar von Gabriella Itin  (Salat)
    Erleichtert ? Nein ! Wie kann ein Bundesrat die Wirtschaft so zerstören ?
    Dieser Entscheid finde ich nicht in Ordnung. Hat er nicht schon genug zerstört mit seinen ( Unnötigen )Verboten ?
    Von seinen Entscheidungen bin ich maßlos enttäuscht.!
    Schweden macht es richtig.
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    1. Antwort von Gregi Sigrist (SRF)
      Liebe Gabriella. Ich glaube nicht, dass man bei dieser Geschichte alles in richtig und falsch einteilen kann. Verschiedene Länder mit verschiedenen Gesellschaften gehen verschiedene Wege. Schweden fängt gerade an Restaurants zu schliessen, weil die Fallzahlen stark steigen. lg Gregi
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  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Wir müssen uns den langfrsitigen Auswirkungen solcher Massnahmen bewusst werden:
    Viele Künstler werden verschwinden. Die durch grosse Agenturen gesteuerten Künstler werden am ehesten überleben - die kleinen unabhängigen eher weniger.
    Viele Zulieferer und Dienstleister dieser Branche verschwinden. Es bleiben die grossen Monopolisten.
    Was sind wir bereit für die Massnahmen gegen Covid19 zu opfern? Auch unsere kulturelle Vielfalt, das soziale Zusammenleben, etc.? Ist das alles nichts mehr wert?
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    1. Antwort von Gregi Sigrist (SRF)
      Lieber Markus. Ich glaube es gibt auch andere mögliche Szenarien. Die Frage ist wer, wo, wie und was investiert. Ich gebe dir aber natürlich zu 100% recht, dass wir alle über ganz viel reden müssen. lg Gregi
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    2. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      Lieber Gregi, vor allem sollten wir endlich beginnen die gesamtheitlichen Risiken des Lockdowns zu betrachten. Denn die gesundheitlichen Risiken von Lockerungen sind leider nur die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite des Lockdowns wird und nicht nur finanziell sehr teuer zu stehen kommen, sondern auch viel von unseren wichtigen kulturellen und sozialen Werten opfern.
      Die Diskussionen wären VOR der sozialen Isolation angebracht gewesen. Jetzt soll uns die Freiheit zurückgegeben werden!
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    3. Antwort von Gregi Sigrist editor
      Lieber Markus. Absolut! Nur etwas können wir nicht. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Und: Wir werden nie wissen, was gewesen wäre, wenn wir dies oder das anders gehandhabt hätten. Die Schweiz hat sich für einen Weg entschieden, bei welchem viele und sehr unterschiedliche Bereiche einen hohen Preis bezahlen. Wir wissen wofür wir diesen Preis bezahlten und bezahlen. Er ist für viele extrem hoch. Ob er zu hoch ist oder war, ist sehr schwierig zu beurteilen. Ob wir als Gesellschaft an dieser Krise nachhaltig wachsen können - wird sich zeigen. Ich persönlich habe durchaus meine Bedenken. Probiere aber in für mich gute/richtige Richtungen zu denken ... lg
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    4. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      Lieber Gregi, ja wir können die Zeit leider nicht zurückdrehen.
      Also müssen wir nun wohl oder übel das Beste aus der Situation machen, und noch retten, was noch zu retten ist.
      Viele Künstler, Veranstalter, Restaurants, kulturelle Angebote etc. sind noch nicht pleite - aber kurz davor. Also retten, was noch zu retten ist - danach ist es zu spät.
      Danach haben wir grosse kulturelle Verluste, viele Arbeitslose, und noch mehr Schulden.
      Also jetzt sofort beginnen zu retten, was noch zu retten ist.
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