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Rosalía ist Spaniens angesagtester Pop-Export.
Legende: Rosalía ist Spaniens angesagtester Pop-Export. Keystone
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Musik-Blog Sie ist sexy. Sie ist cool. Und sie will nicht.

Die katalanische Sängerin Rosalía restauriert gerade den Flamenco, ist Spaniens heissester Act und spielt auf dem Gurten ihre einzige Schweizer Festival-Show. Schade ist nur, dass wir das Konzert nicht übertragen dürfen. Kein Einzelfall. Dafür gibt es gute und weniger gute Gründe.

Was mich immer wieder schmerzt während dem Festivalsommer: Wenn wir Konzerte von interessanten Bands nicht übertragen dürfen. Es ist der Moment bei welchem ich Gefahr laufe, unseren Live-Produzenten Tom Schmidt zu nerven. Dabei weiss ich, dass sich der Mann Monate im Voraus um die Rechteabklärungen kümmert. Und ich weiss auch, dass er bis zuletzt nicht aufgibt.

Gregi Sigrist

Gregi Sigrist

Musikjournalist für Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen

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Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

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Was macht die Sache so schwierig?

«Die Prozesse sind zum Teil langwierig», sagt Tom Schmidt. Dabei ist der Weg teilweise schon lang, bis man die Person erreicht, die darüber tatsächlich entscheiden kann. Gehört die Musik z.B. nicht mehr der Band, sondern einer Plattenfirma, liegt die Entscheidung dort. Oder wenn sich Band, Management und Plattenfirma nicht einig sind (oder sich gar verkracht haben), kriegen wir das ebenfalls zu spüren. «Dann braucht es Hartnäckigkeit und viel Fingerspitzengefühl», weiss Tom Schmidt.

SRF 3 Live-Produzent Tom Schmidt.
Legende: SRF 3 Live-Produzent Tom Schmidt. SRF

Gute Gründe, Konzerte nicht freizugeben

Wenn Bands nicht wollen, dass ihre Shows übertragen werden, weil sie z.B. unveröffentlichte Songs spielen, ist das natürlich mehr als verständlich. Dasselbe gilt, wenn eine Band sehr lange mit derselben Show auf Tour ist oder in ungewohnter Besetzung spielt. Es braucht auch keine weiteren Erklärungen, wenn Bandmitglieder nicht fit sind oder stimmliche Probleme haben.

Es gibt auch besondere Fälle: Bands, die ohne ihr Equipment hinter der Bühne stehen, weil ihr Gepäck oder ihre Instrumente irgendwo hängegeblieben sind. So passiert der norwegischen Sängerin Sigrid am letztjährigen Openair St. Gallen. Sie spielte einen brillanten Gig, wollte aber nicht, dass wir ihn ausstrahlen. Absolut nachvollziehbar.

Schlechte Gründe, Konzerte nicht freizugeben

Ein einfaches «Nein» oder gar ein «Wir haben keinen Bock» ist aus unserer Sicht natürlich schwierig hinzunehmen. Und wenn gar keine Reaktion kommt, wird es anstrengend. Tom Schmidt: «Wenn ich sehr lange keine Antwort bekomme, werde ich skeptisch. Dann durchforste ich das Internet nach Live-Aufnahmen. Oft wird dann klar, wo das Problem liegt - z.B. an den Live-Qualitäten einer Band».

Und dann gibt es noch den Fall, dass wir nicht mehr wollen

Wenn es ganz kompliziert wird, macht Tom Schmidt, was man eigentlich immer tun sollte, wenn man etwas unbedingt will und nicht bekommt: Loslassen! «Manchmal beschleunigt das den Prozess ungemein», erzählt er. Es sei schon vorgekommen, dass die Mitteilung unseres nicht mehr vorhandenen Interesses, zu einem sofortigen Vertragsabschluss geführt habe.

«Macklemores Manager unterschrieb den Vertrag auf meinem Rücken»

Die Geschichte einer Vertragsunterzeichnung auf den letzten Drücker, bleibt Tom in bester Erinnerung. «Macklemores Manager unterschrieb den Vertrag zwei Minuten vor Konzertbeginn auf meinen Rücken.» Die Tinte war sprichwörtlich noch nass, als die Übertragung des Konzerts im Radio und im Live-Stream begann.

Und Rosalía?

Rosalía gehört in die Kategorie der Rechteanfragen, die uns unschlüssig bleibt. Wieso will sie nicht, dass wir ihre Show übertragen? An ihren Live-Qualitäten kann es nicht liegen. Publikum wird sie ganz sicher haben. Gute Songs sowieso. Vielleicht will sie sich rar machen. Vielleicht sind sich die Plattenfirma und das Management nicht einig über die Wichtigkeit einer solchen Ausstrahlung für den Schweizer Markt. Wir wissen es nicht.

Wir können sie auch nicht fragen. Sie gibt auf dem Gurten keine Interviews. Wieso sie das nicht tut, wissen wir: Rosalía reist extrem knapp an und reist nach der Show aus Zeitgründen gleich wieder ab. So bleibt dieses Konzert ausschliesslich denen zugänglich, die am Donnerstagabend vor der Zeltbühne des Gurtenfestivals stehen und sich die Show der Spanierin live ansehen.

Update: Es ist Donnerstag, kurz vor fünf. Wir kriegen die Rechte das Rosalía-Konzert im Livestream auf srf3.ch zu übertragen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Hausammann  (Markus Hausammann)
    Cooler Hinweis, hatte noch nichts von ihr gehört. Starke Musikvideos. Den Flamenco restauriert sie aber in keiner Weise, mit Flamenco hat ihre Musik sehr wenig zu tun. Die spanische Pop-Musik hat schon immer Elemente aus dem Flamenco benutzt. Die Einflüsse von US und UK Pop sind viel stärker als die des Flamenco.
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    1. Antwort von Gregi Sigrist (SRF)
      Lieber Markus. Natürlich hat Rosalía einen ganz klaren Pop-Ansatz in ihrer Musik. Die Flamenco-Einflüsse sind aber nicht nur unüberhörbar und tark - sondern bilden zum Teil ganz klar einen Teil des Fundaments ihrer Kunst. lg Gregi
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    2. Antwort von Markus Hausammann  (Markus Hausammann)
      Lieber Gregi, in welcher Form benutzt sie Flamenco-Elemente, die sonst nicht im spanischen Pop und generell im Latino-Pop enthalten sind? Das Klatschen ist ein sehr oft benutztes Element, die phrygischen Harmonien benutzen auch Shakira, etc. und sind in vielen Stilen drin? Es gibt von ihr Pop, zum Beispiel das im Artikel verlinkte "Malamente", darauf trifft mein 1. Kommentar zu?! Dann gibt es von ihr klassische Flamenco Videos. Restauration sehe ich nicht, hat Flamenco doch auch nicht nötig?
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    3. Antwort von Gregi Sigrist editor
      Lieber Markus. Sie benutzt keine Elemente, die andere nicht auch schon benutzt haben. Aber: Sie setzt sie anders ein. Bringt sie in einen Kontext, welcher musikalisch nach vorne schaut und kreiert so - für mich - ganz klar neue Stimmungen. Und: Sie macht das viel konsequenter als andere, die es auf den Mainstream abgesehen haben. So klingt Worldmusic heute. lg Gregi
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