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 Festivalsommer
Legende: Sommer, Sonne, Ausgelassenheit: Eine schöne Erinnerung an den vergangenen Festivalsommer. SRF / SASKIA WIDMER
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Festivalsommer 2020 Verschieben, Abwarten, Absagen – das Dilemma der Veranstalter

Keine Veranstaltungen bis Mitte April. Aber wie geht es danach weiter? Eine Bestandesaufnahme mit Hoffnungsschimmer.

Das «Büetzer Buebe»-Volksfest im August im Zürcher Letzigrundstadion ist um ein Jahr verschoben. Das «Unique Moments»-Festival in Zürich soll statt anfangs Juni neu im September 2020 stattfinden. Viele Veranstalter warten einen Bundesratsentscheid ab. Andere Festivalveranstalter kündigen verhalten neue Bands für die bevorstehenden Events an, oder haben ihr geplantes Open Air bereits abgesagt.

Die Bestimmungen des Bundesrates sind klar: Bis am 19. April 2020 finden keine Veranstaltungen statt. Wie es danach weitergeht, weiss man im Moment nicht. Erste Veranstalter von Konzert-Events haben nun reagiert und ihr Festival oder ihre Stadionkonzerte verschoben oder abgesagt.

Trauffer und Gölä schieben auf

Die Schweizer Mundart-Superstars Trauffer und Gölä verschieben ihr «Büetzer Buebe Volksfest» genau um ein Jahr. Am 20. und 21. August 2021 sind nun ihre Konzerte im Zürcher Letzigrundstadion geplant. Die beiden Musiker und Unternehmer können so Aufträge an Lieferanten wie zum Beispiel Bühnenbauer neu terminieren. Durch die Verschiebung bleiben die Tickets gültig und der Ticketpreis muss nicht zurückerstattet werden.

Gleiches haben die Veranstalter des Festivals «Unique Moments» bekanntgegeben. Ihr Anlass soll neu im September 2020 stattfinden. Auch das Festival «Stars Of Sounds» in Aarberg BE wurde vom Juni in den September verschoben, neu dafür um einen Tag verlängert und teilweise mit Bands des Partnerfestivala «Stars of Sounds» in Murten FR ergänzt.

Verschieben ist nicht für alle eine Option

Verschieben ist aber für einige Veranstalter keine Option, da ihnen das Gelände dann nicht mehr zur Verfügung steht, oder das Line-Up komplett neu gebucht werden müsste.

Joachim Bodmer, Mediensprecher des Openair Frauenfeld, erklärt, dass «eine Verschiebung sehr viele neue Probleme auslöst». Laut Bodmer werde diese Option geprüft, er gibt ihr aber wenig Chancen.

Wir sind keine Wanderdisco, die mal da und dort spielen kann
Autor: Joachim BodmerMediensprecher Open Air Frauenfeld

Die meisten grossen Festivals warten im Moment, welche neuen Verordnungen oder Veränderungen der Bundesrat rund um den 19. April verkünden wird.

So erklärt Simon Haldemann vom Berner Gurtenfestival, dass sie im Moment gleichzeitig an der Durchführung des Festivals wie auch an einer möglichen Absage oder Verschiebung arbeiten. Als «Point Of No Return» wird seitens der Veranstalter 60 bis 90 Tage vor der Veranstaltung genannt, also der Zeitpunkt, an dem spätestens Gewissheit vorherrschen muss, ob das Festival stattfinden kann oder nicht.

Aber auch falls die Behörden Grossveranstaltungen diesen Sommer zulassen würden, werden die fehlenden Ticketverkäufe seit Anfang März und die mögliche Angst des Publikums, solche Grossveranstaltungen zu besuchen, als enorme Risiken genannt. Christoph Bill, Präsident der Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter (SMPA), schildert die aktuelle Situation:

Grundsätzlich sind die Leute sehr verunsichert, die Ticketverkäufe sind praktisch auf null zurückgegangen
Autor: Christoph BillPräsident der Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter (SMPA)

Er erklärt weiter: «Wenn durch die Behörden 'zu spät' abgesagt wird, hat man unglaublich hohe Kosten. Wenn man als Veranstalter selber absagt, ist man rechtlich auf einem heiklen Weg gegenüber den Anspruchsgruppen».

Joachim Bodmer vom Openair Frauenfeld spricht von einem Verlust von circa einem Drittel ihres Gesamtbudgets, falls ihre Veranstaltung abgesagt wird. Konkret: Ein Verlust von 3 bis 5 Millionen Franken.

Die Folgen einer Absage

Eine Absage seitens der Veranstalter hätte signifikante Forderungen von Lieferanten und dem Publikum zur Folge. Eine Absage aufgrund «höherer Gewalt» - in dem Fall der behördlichen Pandemie-Verordnungen - gibt den Veranstaltern die Möglichkeit, Forderungen von Drittparteien zurückzuweisen oder zu minimieren.

Andere Festivals wie zum Beispiel die Winterthurer Musikfestwochen oder das Blue Balls Festival in Luzern kündigen diese Tage neue Künstler und Künstlerinnen in ihrem Programm an. Eine Art Optimismus, um die seit einem Jahr getätigten Vorarbeiten nun auch präsentieren zu können.

Absagen

Bereits abgesagt wurde das «Zermatt Unplugged»-Festival, da es vor dem 19. April stattgefunden hätte. Rolf Furrer, der Geschäftsführer dieses Events, spricht von einem «sehr grossen finanziellen Defizit».

Um solch ein Defizit zu umgehen, hat auch das regionale Openair Rheinwald auf dem Nufenen im Bündnerland Ende März entschieden, die Ausgabe in diesem Jahr nicht durchzuführen. Im Gegensatz zu den grossen Festivals, haben diese Veranstalter gemäss ihrer Medienmitteilung noch keine Verträge mit Lieferanten und Bands unterschrieben.

Schweren Herzens mussten auch die Veranstalter des «Stars Of Sounds» in Murten absagen.

Hoffnungsschimmer

Internationale und nationale Veranstalter (wie das Open Air Gampel VS) und Bands appellieren unter dem verwendeten Hashtag #savethesummer an ihr Publikum, die Weisungen der Behörden sehr ernst zu nehmen und umzusetzen. Ein Appell, der auf der Hoffnung basiert, ihre Existenzen wenigstens teilweise zu sichern.

Daniel Fontana von der Bad Bonn Kilbi erklärt im SRF 3-«Focus»-Gespräch: «Falls es dieses Jahr keinen Festivalsommer geben würde, werden vielleicht ein paar Veranstaltungen verschwinden.» Er sieht darin auch die Chance, dass es neue Veranstaltungen geben wird, und «vielleicht ergibt sich dadurch auch die Chance, dass mehr auf die jungen Menschen gehört wird, und diese in die Problemlösungen integriert werden».

Klar ist bereits heute, dass, auch wenn der Festivalsommer 2020 stattfinden könnte, viele Bands ihre geplanten Tourneen nicht durchführen werden, da sich das Routing durch abgesagte Festivals in Europa verändert hat. Und ob das Publikum bereit ist, sich an Grossveranstaltungen zu begegnen, wird sich erst noch zeigen.

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