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Delachaux: «Wir haben den ersten Winter ohne Skilifte hinter uns» (Franz.)
Aus News-Clip vom 13.08.2019.
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«Intakte Natur ist gefragt» Gestatten: Frédéric Delachaux, Tourismusdirektor

Der Klimawandel hat Folgen für die Tourismusbranche. Wie Château-d’Oex stehen viele Gemeinden vor neuen Herausforderungen.

Für Frédéric Delachaux war es der erste Winter ohne Bergbahnen und ohne Skilifte. Schnee gibt es in Château-d'Oex, auf 1000 Meter über Meer, zwar noch. Aber es ist zu wenig für ein Skigebiet.

Der 37-Jährige ist hier aufgewachsen und sehr verbunden mit seiner Heimat. «Es ist ein kleines Paradies.» Die Umgebung ist wie aus dem Bilderbuch: Wiesen und Wälder, sanfte grüne Hügel und schroffe, felsige Berge. Das Dorfbild idyllisch: Holzchalets mit Schindeldächern, Steinhäuser im alten Dorfkern.

Hügellandschaft.
Legende: Wie aus dem Bilderbuch: Hügellandschaft auf 1000 Metern über Meer. Aber Schnee hat es nicht mehr genug für ein Skigebiet. SRF

Das Aus für die Bergbahnen

Erschüttert wurde diese Idylle, als die Gemeindeexekutive beschloss, die Bergbahnen nicht mehr zu subventionieren. Zu unsicher war die Schneesituation und Kunstschnee keine Option. Das bedeutete das Aus für den Schneesport in Château-d’Oex.

Wie viel Staatshilfe braucht der Tourismus in der Schweiz?

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Während die Bergkantone mehr Subventionen fordern, findet zum Beispiel der Wirtschafts-Think-Tank Avenir Suisse: «Ja nicht». Auch die politischen Positionen gehen auseinander. Für die SP sind Bergbahnen und Skilifte «Service public». Sie sollen deshalb von der öffentlichen Hand unterstützt und kontrolliert werden.

Bürgerliche Parteien hingegen appellieren eher an den wirtschaftlichen Unternehmergeist der Tourismusdirektoren. Diese sollen Strategien entwickeln, wie Touristen das ganze Jahr in die Berge gelockt werden können. Und die Grünen wollen Unterstützungsmassnahmen des Bundes an Vorgaben knüpfen, die das Klima schützen.

Frédéric Delachaux zeigt auf die Gondelbahn, die seit letztem Winter stillsteht: «Es war ein Schock, als ich erfahren habe, dass der Betrieb eingestellt wird.» Der Entscheid habe ihn schwer getroffen: «Hier vor der Haustüre habe ich gelernt, Ski zu fahren. Auf denselben Hügeln wie die Abfahrtsolympiasiegerin von 1956, Madeleine Chamot-Berthod.»

Die Einnahmen aus dem Skitourismus fehlen

Beruflich bedeutet der Entscheid: umdenken. «Sein» Château-d'Oex ist kein Familien-Skiort mehr. Nicht nur den Tourismusdirektor, alle im Dorf beschäftigt dies und gibt Anlass für eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Uni Lausanne: Auf einem Spaziergang erfährt man auf Tafeln Hintergründiges über den Klimawandel und die Folgen für Flora und Fauna, Land- und Alpwirtschaft sowie den Tourismus.

In der aktuellen Klimadiskussion ist die Bahn ein wichtiges Argument.

Eine Graphik zeigt zum Beispiel, dass es praktisch unmöglich ist, die finanziellen Einbussen aus dem fehlenden Skitourismus wettzumachen. Dies, obwohl Château-d'Oex nur ein kleines, vor allem bei Familien beliebtes Skigebiet war.

Den Gästen Alternativen bieten

Bahnhof.
Legende: Der Kluge fährt im Zuge – auch in die nahegelegenen Skigebiete. Geschlafen wird aber in Château-d’Oex. SRF

Frédéric Delachaux will nun den Touristen eine umweltfreundliche Idee schmackhaft machen: In Château-d'Oex übernachten und mit der Montreux-Oberland-Bahn (MOB) in nahegelegene Ski-Gebiete wie Rougemont oder Gstaad fahren. Die Bahnfahrt ist im Skipass inbegriffen. Überhaupt sei die Bahn seit über 100 Jahren zentral für den Tourismus hier. Und: «In der aktuellen Klimadiskussion ist die Bahn ein wichtiges Argument.»

Eine intakte Bergwelt ist bei den Touristen mehr denn je gefragt.

Frédéric Delachaux ist überzeugt, dass Château-d'Oex auch ohne Bergbahnen in Zukunft an Anziehungskraft sogar gewinnt. Auch im Sommer: «Eine intakte Bergwelt ist bei den Touristen mehr denn je gefragt. Nicht nur wegen der frischen Luft und angenehmer Temperaturen, sondern auch wegen lokaler Produkte aus traditioneller Alpwirtschaft.» Dazu sei ein attraktives Rahmenprogramm mit Festivals und Ausstellungen unabdingbar. «Château-d'Oex ist bekannt für die Jahrhunderte alte Tradition des Scherenschnitts oder für das internationale Ballonfestival.»

Ein Zukunftsszenario

Tafel.
Legende: Zukunftsvisionen: In einer Ausstellung wird gezeigt, wie das Dorf in rund 30 Jahren aussehen könnte. SRF

Auf einer kleinen Anhöhe bei der Kirche steht die letzte Tafel der Ausstellung «Climexpo». Sie zeigt wie Château-d'Oex im Jahr 2050 aussehen könnte: Es ist trockener, die Baumgrenze höher, die Wanderwege ganzjährig begehbar, auf den Gipfeln hat es weniger Schnee – auf den Hausdächern mehr Solarzellen.

Château-d'Oex wird auch ohne Skigebiet nachhaltig touristisch attraktiv sein.

«Ich bin nach Studium und ersten Berufserfahrungen aus Überzeugung als Tourismus- und nun auch Wirtschaftsförderungsdirektor hierher zurückgekehrt.» Frédéric Delachaux will beweisen, dass Château-d'Oex auch ohne Skigebiet nachhaltig touristisch attraktiv sein wird.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Das höre ich zum ersten Mal! Alles was ich vom Tourismus höre und sehe ist, mehr, grösser, mehr grösser und nochmals mehr und grösser. Es gibt Tourismussprecher von teuren Tourismusberatungsbüros, welche guten Berg-Destinationen Businesspläne vorschlagen, die sich mit Anstrengungen der Erstellung eines Eifelturms vergleichen lassen, oder ihnen den besten Fortschritt mit einem "Sami Saviris" vorschlagen. Für mich keine vertretbare Einstellung.
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    1. Antwort von Juri Weiss  (Juri Weiss)
      Es freut mich, dass nun erste Tourismusdestinationen begreifen, dass nur nachhaltige Angebote auch nachmaligen Erfolg garantieren können.
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