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Wendepunkt Altersheim
Aus Echo der Zeit vom 31.07.2019.
abspielen. Laufzeit 10:45 Minuten.
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«Die Kosten sind ein Problem» Gestatten: Anna Kühni, Heimbewohnerin

Wie viele andere kam Anna Kühni an den Punkt, dass sie ins Pflegeheim musste. Nun reicht aber das Geld nicht.

«Einfach ist es nicht, aber man gewöhnt sich daran», sagt die fast 90-jährige Anna Kühni nach ihrem Eintritt ins Altersheim. Im Mai ist Kühni von ihrer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Langenthal umgezogen, ins Alters- und Pflegeheim «Schärme» in Melchnau.

Auslöser für den Umzug war ein Sturz. Kühni kam in Spitalpflege, hat danach ein paar Wochen in einem Heim und beim Sohn gelebt. Wieder zuhause hat sie rasch gemerkt, dass sie alleine nicht mehr klar kommt. Als dann das Telefon aus dem Alters- und Pflegeheim «Schärme» kam, ein Bett sei frei, hat Kühni zugesagt.

«Ich bin zufrieden, dass ich betreut werde»

Verwandte halfen, ihre Wohnung zu räumen. Kühni konnte nicht viel in das kleine Zimmer im Heim mitnehmen; Schränke, einen Tisch, Stühle und das Prunkstück, ein kleiner, zierlicher, antiker Sekretär. Dazu Bilder von den drei Söhnen, dem verstorbenen Mann und den Enkelkindern.

Anna Kühni ist als Bauerntochter im Kanton Bern auf dem Land aufgewachsen. Später zog sie aus, um als Haushaltshilfe zu arbeiten. Danach verwirklichte sie sich einen Traum; sie absolvierte im Kanton Graubünden eine Anlehre als Koch. Sie arbeitete einige Jahre auf dem Beruf und heiratete dann einen Käser aus ihrer alten Heimat. Die beiden haben drei Söhne.

Ihr Ehemann verstarb vor siebzehn Jahren. Anna Kühni blieb in der gemeinsamen Wohnung in Langental. Bis vor kurzem, eben.Mit der Lage des Heims ist Kühni nicht ganz glücklich. Die Wege gingen rauf und runter, das sei nicht praktisch zum Spazieren mit dem Rollator. Aber, sie sei zufrieden, dass sie betreut werde.

200'000 Menschen erhalten Ergänzungsleistungen

Das aber kostet. 160 Franken pro Tag bezahlt sie für ihr Zimmer im Heim. Dazu kommen die Kosten für die Pflege. Das sei schon ein Problem, sagt die ältere Frau. Man habe ja noch andere Auslagen, das Geld fliesse nun ins Heim.

Anna Kühni in ihrem Zimmer im Pflegeheim
Legende: Das Heim kostet im Monat rund 5000 Franken. Weil Anna Kühni dafür nicht vollständig aufkommen kann, hat sie Ergänzungsleistungen beantragt. SRF / Andrea Jaggi

Kühni hat beim Kanton Bern einen Antrag auf Ergänzungsleistungen gestellt. Die Ergänzungsleistungen wurden 1966 eingeführt, nachdem man gemerkt hatte, dass einigen Menschen die AHV und auch die 2. Säule, die Pensionskasse, zum Leben nicht reichen.

Aktuell würden schweizweit 200'000 Menschen Ergänzungsleistungen (EL) beziehen, sagt Peter Burri, Mitglied der Geschäftsleitung von Pro Senectute, einer Stiftung, die sich für ältere Menschen und deren Angehörige einsetzt. «Die EL sind eine tolle Einrichtung, die garantiert, dass ein Leben in Würde möglich ist», sagt Burri. Aber: «Auf die Dauer können Ergänzungsleistungen nicht die Lösung sein.»

Die Alternative ist laut Peter Burri, möglichst lange zu Hause zu wohnen. Doch auch das kostet; eine Studie von Pro Senectute zeigt, dass die Kosten für die Pflege zu Hause steigen werden. «Das ist die grösste Herausforderung», meint Burri.

Eine Herausforderung, der sich auch die Bundesparlamentarier annehmen müssen. Die Frage lautet, wie viel die öffentliche Hand mitfinanziert, wenn es um das Ende des Lebens geht. In der Schweiz werden immer mehr Menschen über 90 Jahre alt.

Anna Kühni packt ihre Herausforderung im Alters- und Pflegeheim. Sie ist keine, die hadert. Sie nehme jeden Tag wie er komme, erzählt sie. Im Heim besucht sie die Turnstunde und jasst mit anderen.

Kühni hat sich dem Schicksal ergeben. «Ins Altersheim gehen ist der letzte Schritt, den man macht. Nachher einmal ist Schluss. Das weiss ich.» Weiter darüber studieren, wolle sie nicht.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Meier  (wm)
    Die Kosten der Altersheime sind hoch, aber wenn man genau überlegt, was alles damit bezahlt wird, sind sie gerechtfertigt. Dank Ergänzungsleistungen muss sich auch niemand Sorgen machen, er könne es sich nicht leisten. Ueberrissen wird es erst bei den etwa doppelt so teuren profitorientierten "Seniorenresidenzen", bei denen erst noch gespart wird, wo es nur geht, um den Profit für die Investoren zu maximieren.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    2) Kontrastgeschichte: Mein Vater lebt in einem Kaff in OstEU allein und machte mit mir einen Wochentrip. Die Nachbaren sehen sich jeden Tag mehrmals, im Gemüsegarten, sie klingeln schnell usw. Mein Vater ist in der Stadt nach einer 5stündiger Reise angekommen, wenn sein Telefon klingelte: die Nachbarsfrau. "Wo bist du, man hat dich den ganzen Tag nicht gesehen, machst die Türe nicht auf?" Papi sagte, er sagte ihrem Mann, dass er verreist. Sie wurde verrückt, dass der Mann ihr nichts sagte.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Ahm, was genau an dieser Geschichte ist abzulehnen?
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    2. Antwort von Willi Meier  (wm)
      Bei uns läuft das an vielen Orten genau so.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Der Schweizer Kultur ist die gemeinschaftliche Pflege, ja sogar aufeinander aufpassen, völlig fremd. Ich habe einen alten Nachbarn, er hat keine Familie, aber wahrscheinlich Krebs im Endstadium. Niemand hilft ihm. Er schleppt sich jeden Tag zum Coop-Restaurant essen, bleibt dort stundenlang sitzen, wahrscheinlich will er nicht unbemerkt bleiben. Aber das Eingekaufte schleppt er allein nach Hause. Mehrmals Halt machen, ausruhen. Kontrastgeschichte aus Osteuropa folgt in 2).
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    1. Antwort von Willi Meier  (wm)
      Ja, dann müssten SIE sich doch um Ihren Nachbarn kümmern!
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      @Meier: Müssen tue ich nicht, aber ich tue es. Mässig, nach meinen Möglichkeiten. Denn ich arbeite zu 140%, viel Zeit bleibt da nicht mehr übrig. Im Haus wohnen viele Hausfrauen, ich habe mit ihnen schon darüber gesprochen. Sie fühlen sich aber nicht verantwortlich. Dies hat mich zum oben stehenden Post inspiriert. Unter anderem...
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