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Schützen viele Schneefälle die Gletscher?
Aus Rendez-vous vom 15.10.2019.
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Massiver Schwund So schlecht geht es den Schweizer Gletschern

  • Die Gletscherschmelze hat 2019 einmal mehr Höchstwerte erreicht.
  • Damit haben die Gletscher der Schweiz in den letzten fünf Jahren zehn Prozent an Eisvolumen verloren.
  • Im Winter fällt zwar mehr Schnee, der die Gletscher im Sommer schützt. Aber: Der Effekt der heisseren Sommer überwiegt deutlich.

2017 und 2018 sind die Gletscher im Sommer im Rekordtempo abgeschmolzen. Auch der Sommer 2019 war sehr warm. Darum waren die Gletscherforscher gespannt, wie viel Eis diesen Sommer in den Alpen geschmolzen ist.

Nun ist die Bilanz da und sie sieht auf den ersten Blick nicht ganz so schlimm aus: Die Gletscher gingen 2019 etwas weniger zurück als in den absoluten Rekordjahren, aber eine Entwarnung ist das nicht.

Bei vielen Gletschern ging 2019 die mittlere Eisdicke um ein bis zwei Meter zurück. Dies war beispielsweise beim Silvrettagletscher und beim Glacier de Tsanfleuron der Fall.

Text der die Postergrafik beschreibt

Schützende Schneedecke

Dieses Jahr profitierten die Gletscher vom langen und schneereichen Winter, sagt Matthias Huss. Der Glaziologe von der ETH Zürich leitet das Schweizer Gletschermessnetz Glamos, das die Gletscherbilanz erstellt: «Je mehr Schnee es im Winter gibt, umso besser ist der Schutz für den Gletscher während der Hitzewellen im Sommer», erklärt Huss.

Vergleich in MeternMittlere Eisdicke der Schweizer GletscherQuelle: Schweizer Gletschermessnetz GLAMOS, 15.10.19 −60−80−100−40−200Entwicklung der Eisdicke in MeternGriesGrosserAletschSilvrettaRhoneRhonegletscherSilvrettagletscherGrosser AletschgletscherGriesgletscherAletsch190020102019202 152 137125104951457257815442RhoneGriesSilvretta1900194019802020

Dieses Jahr sei noch bis im Mai Schnee gefallen, die Schmelze habe deswegen relativ spät eingesetzt – ein Vorteil für die Gletscher. 2019 haben die Gletscher etwa zwei Prozent ihrer Eismasse verloren. In den Rekordjahren 2018 und 2017 waren es zweieinhalb respektive drei Prozent.

Grundsätzlich sieht man, dass der Niederschlag gegenüber den Hitzewellen verlieren wird. Die Schmelze bleibt das dominierende Element.
Autor: Matthias HussGlaziologe bei der ETH Zürich

Doch die tieferen Werte im 2019 beruhigen den Glaziologen nicht: «Ohne die grossen Schneemengen wäre das Jahr noch viel extremer gewesen.» Diesen Sommer hätten die höchsten Temperaturen seit Beginn der Messungen geherrscht. Bei einem Winter mit durchschnittlichen Schneemengen wäre die Gletscherschmelze noch viel dramatischer ausgefallen, so Huss.

Text der die Postergrafik beschreibt

Eine Ahnung davon, wie es 2019 mit weniger Schnee hätte sein können, bekamen die Forscher zum Beispiel auf dem Findelengletscher im Wallis. Die Region ist trocken, es fiel also weniger Schnee und die Sommer sind oft besonders schön. Und so schmolz auf der Zunge des Gletschers Eis von sage und schreibe acht Metern Dicke: «Der Wert ist vor allem auch eindrücklich, weil wir uns auf 2600 Metern und nicht irgendwo in tiefen Lagen befinden.»

Die Klimaforscherinnen und -forscher sagen voraus, dass es in Zukunft zwar eher mehr Niederschlag im Winter geben wird, was die Gletscher schützen könnte, aber eben auch viel mehr extreme Hitzewellen im Sommer.

Bald ein Land ohne Gletscher?

Der Ausgang dieses Tauziehens sei heute schon klar, sagt Huss: «Grundsätzlich sieht man, dass der Niederschlag verlieren wird. Auch wenn er etwas zunehmen wird, bleibt die Schmelze das dominierende Element.» Will heissen: Bis in 60, 70 Jahren wird es in der Schweiz kaum mehr Gletscher geben.

Und diese Periode der Agonie habe nun endgültig begonnen, sagt Huss. In den letzten fünf Jahren sei so viel Gletschereis verloren gegangen wie noch nie, seit man dies misst: «Diese Verluste haben sich beschleunigt.» 2003 sei zwar ein extremes Verlustjahr gewesen. Dieses sei aber umgeben von Jahren gewesen, in denen die Gletscher weniger stark schmolzen.

«Aussergewöhnlich ist jetzt die Häufung von sehr starken Verlustjahren», so der Glaziologe. Vor allem Alpengebiete mit kleinen Gletschern bekommen dies heute schon zu spüren. Zum Beispiel der Nationalpark: Dort gab es noch 1970 ein Dutzend Gletscher. Sie sind alle verschwunden.

Sendebezug: SRF 4 News, 9 Uhr.

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Der Rhonegletscher verschwindet langsam
Aus Tagesschau vom 15.10.2019.
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73 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Michel  (Mosses01)
    ...und nach wie vor werden alte Oelheizungen durch neue ersetzt - von Kanton zu Kanton halt verschieden - Weichen könnten an den anstehenden Wahlen gestellt werden, aber wer glaubt, dass Zitronenfalter Zitronen falten...
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  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Ganz einfach: Kostenwahrheit im Verkehr einführen und die Subventionierung der Autos endlich stoppen. Dann nimmt der CO2 Ausstoss rapide ab.
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    1. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Ein weiteres Indiz gegen die These (anthropogenen Klimawandel) wegen CO2, sind die Tiefbohrungen des Alfred-Wegener-Instituts, die es ermöglichten, mehrere Hunderttausend Jahre in die Klimavergangenheit zurückzuschauen. Sie zeigen, dass der Anstieg des Kohlendioxids (CO2) immer den Warmzeiten folgte, sie also nicht ausgelöst haben kann. Fazit: Es ist zu hoffen, dass wieder Empirie als Wissenschaft anerkannt wird und nicht politische Organisationen (IPCC), kostbare Steuergelder verschwenden.
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    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Sicher nicht. Der CO2-Ausstoss des Verkehrs ist ca 27% des Gesamt-Ausstosses.
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    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      jazz. Ihre Aussage, dass Temperatur vor CO2-Ausstoss ist auf den Seiten des Alfred Wegener Institut nicht ersichtlich. Uebrigens, Prof Stocker, Glaziologe Uni Bern ist schwer darin tätig, auch mit dem AWI. Er kommt als Experte, wie auch das Institut, im Allgemeinen zum Schluss, dass wir doch zum grössten Teil an der heutigen Erwärmung schuld sind.
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  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    Die Realitätsverweigerer werden es nie hinnehmen können, dass sich das Klima ändert, ob der Hahn kräht oder nicht. Wenn nicht alle Erdekundebücher verbrannt werden wird die nächste Generation nicht einem Phantom hinterherrennen sondern den Schutz von Fauna und Flora als dringendstes Problem erkennen.
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Die Realitätsverweigener verbleiben in ihrer Blase, anstatt sich endlich mal zu informieren. Es gibt Hunderte von Uniiversitäten, Instituten, Organisationen und Nationale Wissenschaftsakademien, weltweit von Asien (Japan, China, Indien usw) über Australien, Neuseeland, Russland, weiter alle in Europa, über Afrika (Südafrika, Kenia usw), weiter nach Amerika (USA, Kanada, Mexiko, Brasilien, Argentinien, Chile usw). Abertausende von Studien würden dem Realitätsverweigerer den Horizont erweitern.
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