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Legende: Audio Die Milchbranche führt ein neues Label ein abspielen. Laufzeit 02:40 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 13.08.2019.
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Kritik an Milchbranche Ist das neue Milchlabel reine Geldmacherei?

Die Milchbranche führt ein neues Nachhaltigkeits-Label ein. Der Konsumentenschutz spricht von einem Etikettenschwindel.

Ab September wird auf den Milchpackungen ein neues Label zu sehen sein – ein Nachhaltigkeitslabel. Die Milchbranche hat dieses heute präsentiert, in rot für die Schweiz und grün für die Umwelt ist der Aufdruck gehalten. Die Milch mit dem neuen Nachhaltigkeitslabel soll im Laden etwas mehr kosten.

Dass sich die Milchbranche auf einen neuen Standard einigt – das allein ist angesichts dieser notorisch zerstrittenen Branche eine Schlagzeile wert. Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch meint denn auch, dass es ein harter Kampf gewesen sei. «Wir haben etwa vier Jahre darum gerungen.»

Milchflaschen mit rundem Aufkleber
Legende: Das neue Label soll für nachhaltigere Milch stehen. Keystone

Auslauf, nachhaltiges Futter und weniger Antibiotika

Ergebnis dieser Verhandlungen ist ein Standard, auf den sich die Milchbauern, die Verarbeiter und der Detailhandel geeinigt haben. Um dem Standard zu genügen, müssen Milchproduzenten die Kühe beispielsweise in einem Laufstall halten oder ihnen regelmässigen Auslauf gewähren.

Sie dürfen sie nicht mit Palmöl oder Sojaschrot aus nicht nachhaltiger Produktion füttern und keine Antibiotika verabreichen, ohne dass ein Tierarzt dies empfiehlt. Erfüllen sie die Vorgaben, erhalten sie das neue Label mit der Aufschrift «Swissmilk green». Das Ziel sei, «die guten und hohen Werte der Schweizer Milchprodukte noch besser bekanntmachen», so Koller.

Die meisten erfüllen die Vorgaben bereits

Mit dem Label erhalten die Bauern drei Rappen mehr pro Kilo Milch. Das sei gerechtfertigt, sagt Hanspeter Kern, Präsident des Schweizerischen Milchproduzentenverbandes: «Wenn wir etwas besser machen, dann ist es auch etwas mehr wert.»

Legende:
Milchkonsum in der Schweiz Es wird immer weniger Milch getrunken. (*provisorische Zahlen) sbv-agristat

Nur wenige Bauern werden nachhaltiger arbeiten müssen. Neunzig Prozent der Kühe und 88 Prozent der Milchbauern erfüllten diese neuen Branchenstandards bereits heute, erklärt Kern. Sie erhalten für ihre Milch also mehr Geld, ohne dafür irgendetwas ändern zu müssen. Das kritisiert Sara Stalder, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Im Prinzip ist es eine Konsumententäuschung. Man verkauft das Bestehende mit wenigen und kleinen Verbesserungen als neu.»

Branchenstandard soll weiterentwickelt werden

Stalder sieht es zwar prinzipiell als grossen Fortschritt, dass sich die Milchbranche auf einheitliche Produktionsbedingungen einigt, um diese als «grün» oder «nachhaltig» zu betiteln, brauche es aber mehr. «Man könnte zum Beispiel das unnötige Kraftfutter streichen oder Antibiotika wirklich nur noch in Notfällen verschreiben.» Mit dem neuen Label würde das nicht wirklich versprochen.

Die Milchbranche verpflichtete sich heute in einer Erklärung, den Branchenstandard weiterzuentwickeln. Ob das schnell gehen wird, ist eine andere Frage.

Legende: Video Bundespräsident Maurer präsentiert neues Label «swissmilk green» abspielen. Laufzeit 02:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.08.2019.
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27 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Milch ist Milch ein
    Naturprodukt ob Bio oder ohne, mit einem Label bezeichnet oder verziert Milch ist Milch
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  • Kommentar von S. Borel  (Vidocq)
    Nun ja... dass Bauern nicht besonders viel für die Milch erhalten ist ja nichts neues. Aber dass man ausgerechnet mit verbesserten „Standards“ argumentiert? Soviel ich weiss, unterliegt die Qualität immer noch in erster Linie der „Selbstkontrolle“. Mittlerweile ein Begriff, der mir sauer aufstösst. Erst recht bei eben diesem Verband.
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  • Kommentar von Fritz Rueegsegger  (Matterhorn+234)
    Die Milchpreise an die Bauern erodieren seit Jahren. Natürlich ist die Massnahme primär eine Marketingmassnahme, aber verständlich, um den Milchpreis zu stabilisieren. Obwohl der Milchpreis gegenüber dem Ausland deutlich höher ist, werden die Produktionskosten eines durchschnittlichen Landwirtschaftsbetriebes (weniger als 30 Milchkühe) nicht gedeckt, auch unter Einbezug der ausbezahlten Subventionen.
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