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Legende: Video Keine Knochen von Emanuela Orlandi gefunden abspielen. Laufzeit 01:36 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.07.2019.
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Krimi im Vatikan ungelöst Der mysteriöse Fall Emanuela Orlandi

Seit 1983 fehlt von Emanuela Orlandi jede Spur. Jetzt wurden sogar zwei Gräber geöffnet – ohne Erfolg. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer war Emanuela Orlandi? Emanuela war die Tochter eines päpstlichen Hofdieners. Am 22. Juni 1983 verschwand die 15-Jährige nach dem Musikunterricht im Zentrum von Rom spurlos. Niemand weiss bis heute, wieso und warum. Der Fall wurde nie aufgeklärt – er bleibt eines der grössten Mysterien der jüngeren italienischen Kriminalgeschichte. Die italienische Justiz hat den Fall 2015 zu den Akten gelegt.

Emanuela Orlandi.
Legende: So sah die 15-jährige Emanuela Orlandi 1983 aus. Keystone

Wieso wurden heute zwei Gräber geöffnet? Die Familie Orlandi hat 2018 einen anonymen Brief erhalten mit dem Hinweis, dass die Überreste von Emanuela Orlandi unter einer Grabplatte auf dem Friedhof «Campo Santo Teuronico» im Vatikan verscharrt seien. Die katholische Kirche hat daraufhin eine Untersuchung zugelassen. Nun wurden das benannte und das daneben liegende Grab ausgehoben.

Hat man neue Erkenntnisse gewonnen? Nein. In den beiden Gräbern wurden keinerlei Gebeine gefunden. «Die Suche hat keine Ergebnisse gebracht», sagte Vatikansprecher Alessandro Gisotti. «Es wurde keinerlei menschliche Überreste und keine Urnen gefunden.» Beide Gräber seien leer gewesen.

Der Friedhof Campo Santo Teutonico.
Legende: Auf dem Friedhof Campo Santo Teutonico unweit des Petersdoms wurden zwei Gräber geöffnet. Keystone

Was sagt die Familie Orlandi? Pietro Orlandi, Emanuelas Bruder, zeigt sich zwar erleichtert. «Ich weiss nicht, wie ich reagiert hätte, wenn man die Überreste von Emanuela gefunden hätte», sagte er. Aber alle seien sehr «verwundert» gewesen, dass die Gräber leer gewesen seien. Unglaublich, nennt er es. Vor der Öffnung hat Pietro Orlandi bereits gesagt: «36 Jahre lang gab es im Vatikan keinerlei Kooperation.» Mit der Einwilligung zur Graböffnung habe der Vatikan erstmals eingeräumt, dass es eine «interne Verantwortung» oder Mitwisser im Kirchenstaat gegeben habe oder gebe.

Legende: Video Pietro Orlandi, der Bruder der Vermissten, zur Graböffnung. abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.07.2019.

Welche Spekulationen zum Fall Emanuala Orlandi gibt es? Um das Verschwinden der damals 15-Jährigen ranken sich viele Gerüchte und Verschwörungstheorien. Doch keine Therorie liess sich bislang mit Indizien erhärten. Das sind die vier bekanntesten Thesen:

  • Eine erste Spur führt in die Türkei. Ali Agca, der Attentäter auf Papst Johannes Paul II berichtete, Emanuela Orlandi sei von den rechtsextremen Grauen Wölfen in die Türkei entführt worden, um ihn, Agca, aus der Haft freizupressen.
  • Eine andere, von einem Theologen aufgebrachte Theorie besagt, Emanuela Orlandi sei von einflussreichen Angehörigen der katholischen Kirche an Sexpartys missbraucht worden – möglicherweise gar vom damaligen skandalumwitterten Finanzchef des Vatikans, Paul Marcinkus und ausländischen Diplomaten. Damit die Geschichte unter dem Deckel bleibe, habe man sie mit Hilfe der Mafia beseitigen lassen.
  • Eine weitere Theorie besagte, dass Orlandi die Geliebte des Mafia-Bosses der Banda della Magliana gewesen sei. Ihre Leiche sei neben derjenigen ihres Geliebten begraben worden. Vor sieben Jahren hoben Ermittler schliesslich das Grab aus. Die Knochen des Mafiabosses wurden gefunden, und auch jene einer anderen Person. Aber diese gehören nicht Emanuela Orlandi.
  • Laut einer vierten Version wurde Emanuela Orlandi von der Banda della Magliana entführt, um vom Vatikan die Rückzahlung eines gewährten Kredits zu erzwingen. Der Vatikan befand sich damals tatsächlich in grossen finanziellen Schwierigkeiten. Als die Zahlung ausblieb, sei sie ermordet worden.
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3 Kommentare

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  • Kommentar von Ivan Mathis  (Platon)
    Na ja, der Vatikan war schon immer Weltmeister beim Verheimlichen und Vertuschen von Tatsachen und Verbrechen...
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  • Kommentar von Werner Boesiger  (P.Werner Boesiger)
    Der anonyme Brief war also eine falscher Hinweis. Also hat jemand ein Interesse daran, dass dieser schmerzliche Verlust nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch in der Oeffentlichkeit immer wieder aufgewärmt wird. In Bezug auf die Eltern äusserst taktlos. Dass die zwei deutschen Prinzessinnen aus dem 19.Jh. aus den Gräbern verschwunden sind, ist ebenfalls bemerkenswert, da es sich nicht um einfach Sterbliche handelt. Das müsste ja auch bei den Hohenzollern-Familie irgendwie festgehalten sein.
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  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Es könnte sich auch um ein "gewöhnliches" Verbrechen handeln. Die Ungewissheit ist das Schlimmste für die Verwandten, das kann einen innerlich zermürben und das eigene Leben zerstören. Ich würde nach so vielen Jahren abschliessen mit einer symbolischen Beerdigung.
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