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In Brasilien prallen nackte Tatsachen auf Wunschdenken
Aus Tagesschau vom 02.07.2020.
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Coronavirus weltweit Die internationale Lage in der Übersicht

Länder im Vergleich

Mit der untenstehenden Grafik lässt sich die Verbreitung von Covid-19 in bis zu sechs Ländern vergleichen – so gut wie es die Daten eben hergeben. Um die Vergleichbarkeit zu verbessern, zeigen wir sowohl neu gemeldete Infektionszahlen als auch Todesfälle im Durchschnitt über sieben Tage. Die logarithmische Skala ermöglicht einen besseren Vergleich der Trendlinien – falls Sie aber eine lineare Skala bevorzugen, können Sie diese auswählen.

USA

Nach einer Phase der Entspannung breitet sich das Coronavirus in den USA wieder in alarmierendem Masse aus. Am Donnerstag haben sich in den Vereinigten Staaten bis am späten Abend 55'274 Menschen mit Covid-19 infiziert. Damit überbieten die USA den von Brasilien am 19. Juni gestellten Tagesrekord von 54'771 Neuansteckungen. Die Vereinigten Staaten sind generell das Land mit den meisten bestätigten Coronavirus-Infektionen weltweit, wobei sich Kalifornien, Texas und Arizona zu neuen Epizentren entwickelt haben.

In Texas gilt seit Freitag für alle Bezirke mit über 20 Fällen eine Maskenpflicht; und zwar draussen und in öffentlichen Gebäuden, wo immer nicht genügend Abstand eingenommen werden kann. Mehr als 20 Fälle zählen rund zwei Drittel der 254 Countys.

Im Bundesstaat Florida sollen die Strände von Miami-Dade am Wochenende vom 4. Juli – dem Nationalfeiertag – geschlossen bleiben. Auch im Bezirk Los Angeles bleiben an diesem Wochenende die Strände geschlossen.

Die Schulen und Universitäten sind in den USA weiterhin zu, ebenso Museen und Theater. Die Reisebeschränkungen nach Mexiko und Kanada gelten bis Ende Juli. Personen aus Brasilien dürfen nicht mehr einreisen. Auch ein Ende des Einreisestopps für Europäer ist noch nicht absehbar.

Europa

Deutschland: Der Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies trifft die Menschen im westfälischen Kreis Gütersloh hart. Die Behörden in Nordrhein-Westfalen schränkten den Alltag von mehr als 640'000 Einwohnern in der Region um die grösste deutsche Fleischfabrik erheblich ein. Viele Pandemie-Schutzmassnahmen sind dort seit dem 30. Juni wieder in Kraft.

Mittlerweile wurde bekannt, dass die allermeisten Ergebnisse bei den ersten Massentests für die Bevölkerung im Kreis Gütersloh negativ ausgefallen sind – unter 2000 Getesteten wurde nur ein Infizierter gefunden.

In den meisten deutschen Bundesländern hingegen läuft das Leben wieder ziemlich normal weiter. Viele Kinder gehen zumindest tageweise zur Schule. Grossveranstaltungen wie Volks- und Strassenfeste bleiben wegen der Pandemie noch bis mindestens Ende Oktober verboten – mit Ausnahmen.

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Corona-Hotspot Schlachthof
Aus 10vor10 vom 22.06.2020.
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Italien: Der Norden des Landes galt im Frühling als der Corona-Hotspot weltweit. Mittlerweile hat sich die Lage weitgehend normalisiert. Die Zahl der Neuinfektionen und der Todesopfer ist seit Wochen stark rückläufig. Weiterhin bleibt die Lombardei am stärksten betroffen.

Nach Monaten eingeschränkter Reisefreiheit hat Italien am 3. Juni die Landesgrenzen für EU- und Efta-Bürger wieder geöffnet. Seit dem 15. Juni sind auch Kinos, Theater und Opernhäuser sowie Parks und Strände wieder offen. Seit 18. Juni sind auch Kontaktsportarten wieder zugelassen – auch in Hallen. Die Schulen hingegen bleiben weiterhin geschlossen.

Experten gehen aufgrund von Abwasserproben davon aus, dass das Virus schon im Dezember in Italien zirkulierte. Zeitweise starben pro Tag bis zu 800 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. Italien hatte Anfang März eine der längsten und härtesten Ausgangsbeschränkungen in Europa verhängt.

Die Wirtschaft wird nach Schätzung der Regierung in diesem Jahr um mindestens acht Prozent einbrechen. Hilfe verspricht sich Italien insbesondere vom geplanten europäischen Wiederaufbaufonds mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro. Italien soll mit 170 Milliarden Euro grösster Nutzniesser davon sein.

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Bergamo gedenkt Tausenden Todesopfern
Aus SRF News vom 29.06.2020.
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Österreich: Im östlichen Nachbarland hat sich das öffentliche Leben weiter normalisiert. Die aktuellen Infektionszahlen sind sehr niedrig. Inzwischen haben alle Geschäfte, Restaurants, Hotels und fast alle Dienstleister wieder geöffnet. Auch Kulturveranstaltungen mit bis zu 100 Menschen im Publikum sind wieder möglich. Seit dem 1. Juli werden bis zu 250 Menschen an einer Veranstaltung erlaubt sein, draussen auch 500 Menschen.

Fast zeitgleich mit neuen Lockerungsschritten kommt es in Österreich wegen eines Corona-Clusters zu regionalen Einschränkungen. Im Raum Linz in Oberösterreich werden von 3. Juli an für eine Woche die Schulen, Kindergärten und Horte wieder für eine Woche geschlossen. Das Bundesland reagiert damit auf einen deutlichen Anstieg der Coronainfektionen.

Das Tragen von Masken ist in Österreich nur noch im öffentlichen Verkehr, in Apotheken, Praxen und Kliniken sowie für Angestellte in manchen Dienstleistungsberufen Pflicht.

Frankreich: Mit 29'813 Toten ist das Land besonders stark von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffen. Die Regierung hatte von Mitte März bis zum 11. Mai eine strenge Ausgangssperre verhängt. Laut der OECD könnte die Wirtschaft 2020 im schlimmsten Fall um über 14 Prozent schrumpfen. Die Beschränkungen an den Grenzen ist für EU-Reisende aufgehoben – auch Schweizer können wieder ohne Einschränkungen einreisen.

In weiten Teilen des Landes haben Campingplätze oder Ferienhäuser für Touristen wieder geöffnet. Auch in Paris haben die Restaurants wieder komplett offen. Schulen sind wieder für alle Schüler offen. Auch die Kinos haben nach drei Monaten wieder geöffnet.

Auch die Strände und Parks sind wieder zugänglich. Grosse Museen dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen. Der Louvre öffnet allerdings erst am 6. Juli wieder. Seit Donnerstag ist der Eiffelturm wieder zugänglich – die Lifte bleiben aber geschlossen. Ab dem 11. Juli sollen dann Fussballstadien wieder zugänglich sein, zunächst aber für maximal 5000 Zuschauer.

Portugal: Wegen einer Zunahme der Infektionen sind weite Teile des Grossraums Lissabon seit 1. Juli wieder zwei Wochen im Lockdown. Die Bewohner der betroffenen Gemeinden dürfen nur noch aus dem Haus gehen, um Einkäufe zu tätigen, zur Arbeit zu fahren oder einen Arzt aufzusuchen. In dieser Zeit werden dort nur Versammlungen von maximal fünf Personen zulässig sein. Die Bezirke im Zentrum Lissabons sind nicht betroffen.

Die Region Lissabon ist mit knapp 18'000 Infektionsfällen erstmals seit Ausbruch der Pandemie der von Corona am schwersten betroffene Teil des Landes. Bisher war es der Norden gewesen.

Gemeinsam mit Spanien erklärt Portugal die bilateralen Grenzen nach dreimonatiger Schliessung für wieder eröffnet. «Unser aller Wohlstand und gemeinsames Schicksal in diesem europäischen Projekt hängt davon ab, dass diese Grenze geöffnet ist», twittert Portugals Ministerpräsident Antonio Costa. «Die Pandemie hat uns eine neue Vision der Vergangenheit gezeigt, zu der wir nicht zurückkehren wollen: ein Kontinent mit geschlossenen Grenzen.»

Serbien: Das Land bestätigt ein Wiederaufflammen der Neuinfektionen. Auch der serbische Tennis-Star Novak Djokovic ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Weltranglistenerste war für die Organisation seiner Adria-Tour heftig kritisiert worden, weil bei den Veranstaltungen in Belgrad und Zadar keine Hygiene- und Sicherheitsregeln eingehalten worden waren. Vor dem 33-Jährigen waren bereits die Tennisspieler Grigor Dimitrow, Borna Coric und der Serbe Viktor Troicki positiv getestet worden.

Spanien: Auch die Spanier haben schwer gelitten. Mehr als 28'300 Coronatote, eine strikte Ausgangssperre und ein brutaler Wirtschaftseinbruch. Doch für Millionen Spanier hat wieder die grosse Freiheit begonnen. Am 21. Juni ging der seit dem 14. März bestehende Notstand zu Ende. Reisende aus dem Schengenraum dürfen wieder einreisen. Landesweit herrscht weiterhin Maskenpflicht – überall dort, wo der Abstand von eineinhalb Metern nicht gewahrt werden kann.

Die meisten Coronafälle gab es in Madrid und Barcelona, vor allem aber in den Altersheimen. Zeitweise gab es fast 1000 Tote pro Tag. Inzwischen hat sich das Land aus der Krise herausgekämpft. Es gibt nur noch wenige Neuinfektionen und kaum noch Coronatote. Für die Spanier geht es jetzt darum, die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu meistern.

Grossbritannien: Das Königreich ist neben Belgien das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa. Und Gesundheitsexperten warnen eindringlich vor einer zweiten Corona-Infektionswelle.

Trotzdem werden am 4. Juli in Grossbritannien Pubs, Restaurants, Hotels und viele andere Einrichtungen wieder öffnen. Auch Kinos, Museen, Bibliotheken, Coiffeursalons und Gotteshäuser dürfen unter Auflagen wieder aufmachen. Gleichzeitig wird die Abstandsregel von zwei Metern auf einen Meter reduziert, sofern andere Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus getroffen werden.

Die Geschäfte in England haben bereits wieder geöffnet. Ausgenommen davon ist die Stadt Leicester. Ab Dienstag müssen die Geschäfte wieder schliessen, so der britische Gesundheitsminister. Auch Schulen müssen ihre Tore im Laufe der Woche wieder schliessen. Die Neuinfektionen in der Stadt mit etwa 350'000 Einwohnern machten nach Angaben des Ministers in der vergangenen Woche zehn Prozent aller Fälle in England aus.

Die Landesteile Schottland, Wales und Nordirland bestimmen selbst über ihre Kontaktbeschränkungen. Wer derzeit nach Grossbritannien einreist, muss für vierzehn Tage in Quarantäne – sonst droht eine hohe Busse.

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Zehntausende Briten stürmen die Strände
Aus Tagesschau vom 26.06.2020.
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Griechenland: Eine Einreise ist aus 29 Staaten – auch der Schweiz – wieder ohne Quarantäne möglich. Tavernen, Bars und Cafés sowie Hotels sind wieder geöffnet. Alle Reisenden nach Griechenland müssen sich mindestens 48 Stunden vor der Ankunft elektronisch anmelden und ein Formular ausfüllen, wo sie angeben müssen, wo sie vorher waren und wo sie sich in Griechenland aufhalten werden.

Für den Neustart des Tourismus sind die medizinischen Einrichtungen in den Ferienregionen mit zusätzlichem Personal verstärkt worden. «Die Gesundheit unserer Gäste hat erste Priorität», sagte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis.

Das Land hat am 1. Juli alle seine Flughäfen auf den Inseln und in den Ferienregionen des Festlandes für Auslandsflüge geöffnet. Erstmals nach Ausbruch der Corona-Pandemie sind am Vormittag Charterflugzeuge aus Deutschland auf der Insel Kreta gelandet.

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Griechenland: Ministerpräsident Mitsotakis macht Tourismus zur Chefsache
Aus Tagesschau vom 14.06.2020.
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Schweden: Anders als andere Länder hat Schweden weit weniger strenge Massnahmen gegen das Coronavirus ergriffen und sieht sich entsprechend mit hohen Fallzahlen konfrontiert. Auch hier gelten für die Bürger aber bestimmte Corona-Beschränkungen. Dazu gehört etwa ein Besuchsverbot in Altersheimen oder eine maximale Teilnehmergrenze von 50 Personen für öffentliche Versammlungen. Restaurants, Bars und Cafés blieben aber ebenso durchgehend geöffnet wie Schulen und Kindergärten.

Wie 28 weitere Länder steht Schweden auf der vom Bundesrat am Donnerstag publizierten Liste von Risikoländern mit «hohem Infektionsrisiko». Wenn Menschen aus diesen Ländern in die Schweiz einreisen wollen, sind sie zu einer zehntägigen Quarantäne verpflichtet.

Russland: Russland weist nach den USA und Brasilien die drittmeisten Infektionen weltweit auf, verzeichnet aber im Verhältnis deutlich weniger Todesfälle. Trotz konstant hoher Infektionsmeldungen hat in Russland anfangs Juni eine grössere Lockerungswelle begonnen. Museen, Ausstellungen, Sommerterrassen von Cafés, Coiffeure und Schönheitssalons sind in Moskau wieder offen. Mittlerweile sind auch Fitness-Zentren, Schwimmbäder, Kindergärten und Restaurants wieder geöffnet.

Es wurde bekannt, dass fast 500 russische Ärzte und anderes medizinisches Personal nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sind. Immer wieder hatte medizinisches Personal über miserable Schutzausrüstung in Spitälern geklagt.

Lateinamerika

Lateinamerika hat sich zu einem Hotspot der Pandemie entwickelt: Grosse Armut, dichte Siedlungen und mangelnde Gesundheitsversorgung haben zu
einer Vervielfachung der Fälle geführt.

Am stärksten betroffen sind Brasilien, Peru, Chile und Mexiko.

Brasilien: Brasilien ist hinter den USA das am zweitstärksten betroffene Land weltweit. Die tatsächlichen Zahlen in Brasilien dürften weit höher liegen, auch weil das Land wenig testet. Wissenschaftlichen Studien und Schätzungen gehen von siebenmal mehr Infizierten und doppelt so vielen Toten aus. Dennoch werden in Brasilien vielerorts Massnahmen gelockert, Geschäfte und Strände sind wieder geöffnet. Für Touristen gilt ein Einreiseverbot bis zum 7. Juli.

Präsident Jair Bolsonaro hatte die vom Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 als «kleine Grippe» verharmlost und damit für Verwirrung und Chaos gesorgt. Besonders betroffen sind auch die Armenviertel, die Favelas von Rio de Janeiro und São Paulo.

Peru: Im Andenstaat gelten seit Beginn der Krise strenge Ausgangsbeschränkungen, trotzdem verzeichnet Peru nach Brasilien die meisten Infektionen in Südamerika. Die Bevölkerung darf nur für Lebensmitteleinkäufe, Bankgeschäfte oder Apotheken- und Arztbesuche das Haus verlassen. In der Nacht und am Sonntag muss man zuhause bleiben. Die Massnahmen gelten noch bis Ende Juni. Bis dahin dürfen auch keine Touristen ins Land reisen.

In Peru sind viele Menschen im informellen Sektor beschäftigt. Schuhputzer, Müllsammler, fliegende Händler und Tagelöhner können es sich darum oft nicht leisten, zu Hause zu bleiben.

Chile: Obwohl die Hauptstadt Santiago de Chile seit mehr als einem Monat unter einem Lockdown steht, schnellt die Zahl der Infektionen in die Höhe. Gemessen an der Anzahl Todesfälle pro Million Einwohner ist das Land noch vor Peru und Brasilien in Südamerika am stärksten betroffen.

Vor kurzem gab es im Grossraum Santiago zum Teil heftige Proteste, weil die Menschen seit Wochen nicht mehr zur Arbeit können und kaum eine soziale Absicherung besteht. Nun unterstützt die Regierung Hilfsbedürftige mit umgerechnet rund 118 Franken im Monat.

Die Behörden rechnen damit, dass die Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 6.5 Prozent sinken wird. Bis auf weiteres dürfen auch keine Touristen ins Land reisen.

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Wie das Coronavirus in Südamerika um sich greift
Aus Tagesschau vom 22.06.2020.
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Mexiko: Als siebtes Land der Welt hat Mexiko die Marke von 20'000 Todesopfern überschritten. Über 220'600 Infektionen wurden inzwischen festgestellt. Es wird aber angenommen, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. In Mexiko werden äusserst wenige Menschen auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet.

Präsident Andrés Manuel López Obrador konnte mit der Abstandregel nie etwas anfangen. «Man muss sich umarmen, da passiert schon nichts», pflegt der Linkspopulist zu sagen. Nachdem die Infektionszahlen im zweitgrössten Land Lateinamerikas immer weiter gestiegen waren, erklärte die Regierung zwar den Gesundheitsnotstand und schickte nicht essenzielle Branchen in eine Zwangspause. Mittlerweile wurden die Massnahmen aber wieder gelockert.

Asien

China: Nach dem jüngsten Corona-Ausbruch hat Peking seine Testkapazitäten deutlich erhöht. Die chinesische Hauptstadt mit ihren 20 Millionen Einwohnern könne nun täglich fast eine Million Corona-Tests vornehmen, teilte die Gesundheitskommission mit.

Der Ausbruch vor zwei Wochen auf dem Grosshandelsmarkt Xinfadi in Peking hatte Angst vor einer zweiten Coronawelle in China geschürt – nachdem wochenlang kaum Neuinfektionen aufgetreten waren. Seitdem wurden die Eindämmungsmassnahmen in und um 32 Pekinger Stadtviertel wieder verschärft. Mittlerweile haben sich in Peking knapp 300 Menschen infiziert.

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Erneuter Corona-Ausbruch in Peking
Aus Tagesschau vom 15.06.2020.
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Südkorea: Die Gesundheitsbehörden in Südkorea sehen das Land mittlerweile einer zweiten Welle der Coronavirus-Ausbreitung ausgesetzt. Laut WHO sind das neue Herde, die in Verbindung mit Clubs und Vergnügungsparks stehen.

Ursprünglich seien sie davon ausgegangen, dass eine zweite Infektionswelle im Herbst oder Winter beginnen könnte, sagte die Direktorin der Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention. «Unsere Voraussage erwies sich als falsch.»

Der Stadtpräsident der Hauptstadt Seoul hat nun aber angekündigt, wieder strengere Einschränkungen einzuführen, sollten die täglichen Neuinfektionen in den nächsten Tagen nicht wieder zurückgehen.

Südkorea beginnt mit der Verabreichung des Medikaments Remdesivir bei Covid-19-Patienten. Die erste Versorgung im Juli werde vom Hersteller Gilead zur Verfügung gestellt, teilt das Kontrollzentrum für Krankheiten und Prävention mit. Die Gesundheitsbehörden würden mit Gilead über den Preis verhandeln, um den Einsatz ab August sicherzustellen. Remdesivir gilt als Hoffnungsträger in der Behandlung von Covid-19-Patienten und ist bereits in einigen Ländern, darunter den USA, in Notfällen zur Behandlung zugelassen.

Singapur: Nach anfänglichen Erfolgen bei der Virusbekämpfung hat der dicht besiedelte Stadtstaat derzeit am meisten registrierte Infizierte in ganz Südostasien, trotz rigoroser Massnahmen. Grund sind die prekären Wohnverhältnisse von Gastarbeitern, die oft dicht gedrängt in Schlafsälen übernachten und kaum Zugang zu Hygiene-Einrichtungen haben. Der Lockdown wurde bis Ende Juni verlängert.

Indien: In Indien ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden um über 18'500 gestiegen (Stand: 30. Juni). Die Gesamtzahl liegt bei knapp 567'000 Infektionen. Mehr Fälle gibt es nur in den USA, Brasilien und Russland. Trotz der von Premierminister Narendra Modi angeordneten Lockerung der Einschränkungen haben einige Städte mit signifikanten Ausbrüchen die Sperren verlängert.

Wandmalerei in New Delhi
Legende: Auch Indien ist schwer betroffen von der Pandemie. Dennoch lockert das Land nun die Ausgangssperre. Reuters

In der Hauptstadt Neu-Delhi werden die Spitalbetten knapp. So lässt die Millionenmetropole Züge, Hochzeitshallen, Hotels und Stadien in temporäre Corona-Kliniken umwandeln. Doch die Lage ist schwierig. In den sozialen Netzwerken kursieren viele Videos von verzweifelten Leuten, die versuchen, ihre Angehörigen mit Covid-Symptomen in ein Spital zu bringen – und immer wieder abgewiesen werden.

Iran: Präsident Hassan Ruhani steckt in einem Dilemma. Einerseits will und muss er Lockerungen vornehmen, um eine noch grössere Wirtschaftskrise im Land zu verhindern. Andererseits sind seit den Öffnungen Ende Mai die Fallzahlen um das Zweifache gestiegen. Trotz Kritik von Experten bleibt Ruhani seiner Linie vorerst treu. Als Präsident müsse er nach eigenen Worten nun mal an Gesundheit und Geldbörse der Menschen gleichzeitig denken.

Die Lockerungen haben ausserdem auch dazu geführt, dass die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen in der Bevölkerung nicht mehr ernst genommen werden. Amtlichen Angaben zufolge werden die Hygiene-Vorschriften landesweit derzeit nur noch von weniger als 30 Prozent der Menschen eingehalten.

Naher Osten

Ägypten: Im mit rund 98.4 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land in Nordafrika haben sich bislang fast 67'000 Menschen infiziert. Über 2800 Menschen sind dem Virus erlegen.

Nach mehr als drei Monaten haben Ägypten und der Libanon ihre Flughäfen wieder für den regulären internationalen Flugverkehr geöffnet. Die erste reguläre Maschine habe die Hauptstadt Kairo am Mittwochmorgen in Richtung Tunesien verlassen, teilte die staatliche ägyptische Fluglinie Egypt Air mit. Der Flugverkehr wird demnach stufenweise wieder aufgenommen.

Der Tourismus für ausländische Gäste wird vorerst auf Ferienorte in drei an der Küste liegenden Provinzen begrenzt. Die ausländischen Feriengäste steuern etwa zwölf Prozent zum ägyptischen Bruttoinlandsprodukt bei.

Saudi-Arabien: Die Zahl der Fälle steigt auf über 186'400 und 1599 Todesopfer an. Trotzdem sind Einkaufszentren und Restaurants regulär geöffnet. Bis zu 50 Personen dürfen sich wieder treffen, und seit dem 21. Juni findet das tägliche Leben landesweit – mit Ausnahme von Mekka – wieder uneingeschränkt statt.

Israel: Israel griff in der Anfangszeit energisch ein, erlebt derzeit aber eine eigentliche zweite Welle. Seit Ende Mai – nach der Umsetzung von Lockerungen – gibt es einen stetigen Neuanstieg bei den Infektionen, die kritische Marke von 100 Infektionen am Tag wird seit Anfang Juni fast täglich um ein Mehrfaches überschritten.

Einzelne Hotspots werden nun abgeriegelt. Verschiedene Viertel in Lod bei Tel Aviv sowie in der Hafenstadt Aschdod sollten für mindestens eine Woche abgeriegelt werden. Auch in den Palästinensergebieten soll von 3. Juli an ein fünftägiger Lockdown in Kraft treten.

Zudem hat das Gesundheitsministerium die Krankenhäuser des Landes angewiesen, ihre Corona-Abteilungen wieder zu öffnen. Wer in der Öffentlichkeit keine Maske trägt, muss künftig rund 320 Franken Busse bezahlen. Bis anhin lag der Betrag bei rund 53 Franken.

Türkei: Angesichts steigender Corona-Fallzahlen hat die Türkei die Maskenpflicht ausgeweitet. In den Metropolen Istanbul, Ankara und in Bursa müssen die Einwohner nun auch im Freien Masken tragen. Seit April gilt bereits die Maskenpflicht an belebten Orten wie Supermärkten.

Die Türkei hatte die Pandemie im Land zunächst mit strikten Massnahmen eingedämmt. Am 1. Juni hatte Ankara dann zahlreiche Restriktionen gelockert. Cafés und Restaurants sowie Hallenbäder, Sportstudios oder Kindergärten haben wieder offen. Auch Strände, Parks und Museen sind wieder zugänglich. Senioren ab 65 Jahren dürfen weiter bis auf festgelegte Zeiten nicht aus dem Haus.

Afrika

Auf dem ganzen Kontinent haben sich bisher rund 350'000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Dennoch nehme die Pandemie einen anderen Verlauf als anderswo auf der Welt. Ersten Analysen zufolge könnte die relativ niedrige Todesrate mit der demografischen Struktur des Kontinents zu tun haben, da mehr als 60 Prozent aller Afrikaner jünger als 25 Jahre sind.

Es wird aber auch zu wenig getestet, weil es für afrikanische Länder schwierig sei, auf dem globalen Markt Testkits zu kaufen und die Kapazitäten der Labore auszubauen.

Auf dem Kontinent hat Südafrika bisher mit 144'260 die höchste Zahl bekannter Coronavirus-Fälle. 2529 Menschen sind im rund 57.8 Millionen Einwohner zählenden Land gestorben.

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Kapstadt hofft bald auf Touristen
Aus Tagesschau vom 04.06.2020.
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Australien

Australien verzeichnet den grössten Anstieg neuer Fälle seit etwa zwei Monaten. In Australien wird ein Lockdown über mehr als 30 Vororte im Norden der Metropole Melbourne verhängt. Nach Behördenangaben gelten die Massnahmen für einen Monat, rund 300'000 Menschen sind davon betroffen. Hintergrund sei ein prozentual zweistelliger Anstieg von Neuinfektionen in den vergangenen zwei Wochen.

Nach Angaben der Behörden ist das Wachstum vermutlich zum Teil darauf zurückzuführen, dass seit den Lockerungen am 1. Juni wieder grössere Partys und Familientreffen stattfanden, an denen auch Menschen mit milden Symptomen teilnahmen.

Australien wird seine Grenzen für ausländische Reisende wahrscheinlich nicht vor kommendem Jahr öffnen, wie Handelsminister Simon Birmingham sagt. Geprüft werde aber eine Lockerung der Einreisevorgaben für Studenten und andere Langzeitbesucher. Auch Kreuzfahrtschiffe dürfen in den nächsten Monaten nicht in Australien anlegen.

Neuseeland: Das Land hat nach Wochen ohne Neuinfektionen mittlerweile wieder aktive Fälle. Wie das Gesundheitsamt mitteilte, handelt es sich bei allen Fällen um Menschen, die kürzlich aus dem Ausland nach Neuseeland kamen und sich in Quarantäne befinden. Es gebe weiterhin keine Hinweise auf eine Verbreitung des Virus in der lokalen Bevölkerung.

Am Dienstag, 16. Juni, hatte Neuseeland erstmals seit mehr als drei Wochen ohne aktive Coronafälle wieder zwei Infizierte gemeldet. Alle nach Neuseeland Einreisende müssen nach der Ankunft in Quarantäne.

Tagesschau, 02.07.2020, 19:30 Uhr;

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