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Politologin Martina Mousson: «Typisches Muster bei dieser SVP-Initiative»
Aus News-Clip vom 15.09.2020.
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Umfrage zu den Abstimmungen Klares Nein: Nur SVP-Wähler stimmen für «Begrenzungsinitiative»

  • Laut der zweiten SRG-Umfrage wollen 63 Prozent die sogenannte «Begrenzungsinitiative» ablehnen. 35 Prozent sind dafür.
  • Damit bleiben die beiden Lager über den Abstimmungskampf hinweg äusserst stabil.
  • Dass die SVP den deutlichen Rückstand noch wettmachen kann, ist äusserst unwahrscheinlich.
Initiative gegen PersonenfreizügigkeitPersönliche Stimmabsichten (in Prozent)bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 10. September 2020 Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSR501321025

Die gute Nachricht für die SVP: Die «Begrenzungsinitiative» zieht. Die schlechte Nachricht: Sie zündet fast nur im eigenen Lager.

Bei ihren Kernthemen Migration und Europa punktet die Partei zwar nach wie vor bei der Basis. Im Gegensatz zum spektakulären Abstimmungserfolg bei der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) von 2014 vermag sie aber kaum über die Parteigrenze hinaus zu überzeugen.

Kein «unterschwelliger Meinungsdruck»

Stattdessen formiert sich geschlossener Widerstand gegen die Aufkündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU. Bis weit ins bürgerliche Lager folgt die Stammwählerschaft den ablehnenden Parolen ihrer Parteien. «Im Unterschied zur MEI wird das Vorhaben nur vom SVP- und dem regierungskritischen Lager getragen», sagt Martina Mousson vom Forschungsinstitut gfs.bern.

bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 10. September 2020 Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSR8381354329827313347811421566415471067171114411814918Initiative gegen PersonenfreizügigkeitStimmabsichten nach Parteibindung (in Prozent)GrüneSPGLPCVPFDPSVPkeine Partei

Entsprechend kommen die Politologen vom Forschungsinstitut, das die Umfrage im Auftrag der SRG SSR durchgeführt hat, zum Schluss: Den Coup von 2014 wird die SVP kaum wiederholen können. «Es müsste etwas Gröberes passieren, um noch etwas ins Wanken zu bringen», so Mousson.

Dazu kommt: Die Schweizer Stimmbevölkerung konnte sich in den letzten Jahren wiederholt zu vergleichbaren Vorlagen an der Urne äussern. Beim Thema Zuwanderung sind die Meinungen inzwischen verfestigt. «Es gibt keine Hinweise auf einen unterschwelligen Meinungsdruck, der sich bei der Abstimmung entladen könnte», sagt die Politologin.

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Mousson: «Sieht so aus, als ob das Vorhaben scheitert»
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So steht zu vermuten, dass der neue SVP-Präsident Marco Chiesa am 27. September eine Abstimmungsniederlage im Kerndossier seiner Partei erklären muss. Ein – wenn auch kleines – Trostpflaster für den Tessiner: In der Schweiz klafft in der Zuwanderungsfrage ein «Polentagraben».

bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 10. September 2020 Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSRInitiative gegen PersonenfreizügigkeitStimmabsichten nach Sprachregion (in Prozent)Deutsch- schweizfranzösische Schweizitalienische Schweiz48133102618741457331622227

Denn im Tessin herrscht derzeit eine Pattsituation – die Initiative könnte hier durchaus angenommen werden. Im Grenzgängerkanton hat Skepsis in der Migrationspolitik Tradition. In der ungleich bevölkerungsreicheren West- und Deutschschweiz wird die Initiative derzeit aber klar abgelehnt.

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Mousson: «Es könnte einen Polentagraben geben»
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Insgesamt finden fast zwei Drittel der Befragten, dass die Initiative Wohlstand und Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet. «Das ist das wichtigste Argument gegen diese Vorlage», sagt Mousson. Zudem finden viele Stimmberechtigte, dass die Initianten keine Alternative aufzeigen, wie das Verhältnis zur EU künftig gestaltet werden könnte.

Gerade in unsicheren Coronazeiten scheut sich laut gfs.bern eine Mehrheit der Befragten davor, das Verhältnis zum wichtigsten Handelspartner der Schweiz weiter zu belasten. Dagegen polarisiert sogar die Grundidee der Initiative, dass die Schweiz die Zuwanderung wieder selber regeln soll: Dem stimmen 48 Prozent der Befragten zu, 49 Prozent sind nicht einverstanden.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 2. und 10. September 2020 durchgeführt. Insgesamt sind die Antworten von 17'909 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt worden.

Telefonisch befragt wurden 1407 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 701 Personen aus der Deutschschweiz, 405 aus der Romandie und 301 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.7 Prozentpunkte. Bei 1407 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.3 und 52.7 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 16'502 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Die Aufteilung der online Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 14'065 Personen in der Deutschschweiz, 2864 in der Romandie und 980 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger Pensionierte als Jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern veröffentlicht zwei Umfragen zur Abstimmung vom 27. September 2020. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung. Allerdings sind bei mindestens zwei Befragungen Aussagen über Trends möglich.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungsspecial

Abstimmungsspecial

Abstimmungen und Wahlen vom 27. September 2020

SRF 4 News, 16.09.2020, 6 Uhr

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Heimberg  (tomfly)
    Indigene Schweizer? Nein, diesen Ausdruck habe ich auch noch nie gehört. Aber ICH könnte einer sein. Über viele Generationen sind wir in der CH geboren. In meiner Schulzeit in den 60+70ern hiessen wir Peter, Markus, Renate und Claudia und ALLE sprachen Berndeutsch und wir hatten viiiel Platz. Heute? Die Einwanderer sind ja nicht schlecht per se, aber ich denke, es ist genug, ich will keine Stadt CH mit 12 oder noch mehr Mio und habe keine Lust auf verdichtet Wohnen und mehr Einschränkungen.
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  • Kommentar von willi mosimann  (willi mosimann)
    Die SVP will mit der BGI nur die Bila und PFZ Verträge künden, wenn sie wirklich die Einwanderung stoppen möchte, müssten genaue Gesamtzahlen in der Initiative erwähnt werden. Ecopop wäre genau das Richtige gewesen, da hat aber die SVP die Unterstützung versagt. Diese Mogelpackung (Etikettenschwindel) muss abgelehnt werden es wird kein einziges Problem gelöst nur neue generiert.
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  • Kommentar von Roger Eichelberger  (Allesroger)
    Das typische Muster bestand bisher meist darin, dass sich niemand erklären konnte wo die anderen 20% herkamen. Studieren Sie mal die Seite des Bundesamtes für Statistik (z.B auch Eigenversorgungsgrad), dann wissen Sie was sie abstimmen sollten. Der Fall ist völlig klar, die Wirtschaft will soviel billige Arbeitskräfte und so viele neuen Kunden wie möglich und schafft es leider erneut (dank Corona) den Menschen Angst zu machen. Das der Schweiz insgesamt geschadet wird, ist denen egal.
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    1. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Und da kommt mir halt wieder die lapidare Antwort von Schweinmast-Betreibern, wo Tiere im Elend leben müssen in den Sinn:" Nutztierhaltung muss sich wirtschaftlich rechnen."
      Muss sich also auch Mensch durch die PFZ oft als "Nutzvieh" missbraucht ebenso wirtschaftlich rechnen?
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    2. Antwort von Roger Eichelberger  (Allesroger)
      darum heisst es ja neuerdings auch HR Human Ressources, Menschen sind nur noch Verbrauchsmaterial und manchen wird sogar noch eingeredet sie seien selber Schuld wenn sie ein Burn Out hatten. Ich bin nicht gegen die Wirtschaft per se. Aber ich bin gegen diese Gierwirtschaft die heutzutage immer mehr Einzug nimmt und Mensch und Mitwelt "kaputt" macht.
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    3. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Und was doch sehr zum denken anregen sollte ist, dass diese PFZ = Handel mit Menschen an die Bilateralen, welche die Luftfahrt- & Verkehr, Forschung, Börse, Handelshemmnisse vertraglich regeln geknüpft ist.
      Daran kann man erkennen, wie viel "Wert" heutige Menschen für Wirtschaft & Co. noch besitzen.
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