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Meteostory von 9:40 Uhr, Bild SRF Augenzeuge Manuel Dahinden
Aus Meteostory vom 06.07.2020.
abspielen. Laufzeit 02:35 Minuten.
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Gruss aus 83 Kilometer Höhe Am Sonntagabend: Leuchtende Nachtwolken

Spektakel am Sonntagabend über der Nordschweiz: Leuchtende Nachtwolken zierten den Abendhimmel. Diese Wolken befinden sich in einer Höhe von rund 83 Kilometern Höhe und sind bei uns nur zwischen Mitte Mai und Mitte August, meist sogar nur zwischen Mitte Juni und Mitte Juli zu beobachten.

Leuchtende Nachtwolken sind ein seltenes Phänomen, zumindest in unseren Breiten. Während sich fast alle Wolken in der Troposphäre also zwischen 0 und 13 Kilometern Höhe befinden, sind die leuchtenden Nachtwolken ein Gruss aus der oberen Atmosphäre. Sie befinden sich in einer Höhe von 80 bis 85 Kilometern über Grund in der sogenannten Mesopause.

Blick zum Bodensee, darüber das Abendrot mit dunklen Cirren, darüber die bläulich-weissen Leuchtenden Nachtwolken.
Legende: Leuchtende Nachtwolken Blick zum Bodensee, darüber das Abendrot mit dunklen Cirren, darüber die bläulich-weissen Leuchtenden Nachtwolken. Martin Consler

Kälter als -133 Grad

Auf der Höhe der Mesopause ist die Wasserdampfkonzentration sehr gering. Damit sich dort überhaupt Wolken bilden können, muss sich die Atmosphäre abkühlen auf einen Wert von weniger als 140 Grad Kelvin, also auf weniger als -133 Grad Celsius. Diese tiefen Temperaturen werden in der Mesopause nur zwischen Mitte Mai und Mitte August erreicht. Zur Bildung von Wolken in dieser Höhe braucht es auch noch Staubpartikel, sonst funktioniert die Show in der höheren Atmosphäre nicht. Man geht davon aus, dass die erforderlichen Staubpartikel von verglühenden Meteoren stammen.

In zartem Rosa ist links das Abendrot zu erkennen, rechts die Leuchtenden Nachtwolken.
Legende: Leuchtende Nachtwolken Blick von Winterthur nach Nordwesten. Links am Horizont das Abendrot, rechts die Leuchtenden Nachtwolken. FB

Ein Phänomen für Nachteulen

Leuchtende Nachtwolken (englisch: noctilucent clouds, NLC) sind in unseren Gegenden meist nur zwischen Mitte Juni und Mitte Juli zu sehen und nur nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang. Damit die Wolken in der höheren Atmosphäre von der Sonne noch angeschienen werden und gleichzeitig der Himmel schon genügend dunkel ist, muss die Sonne zwischen 6 und 16 Grad unter dem Horizont stehen. Leuchtende Nachtwolken sind also frühestens 35 Minuten nach Sonnenuntergang also etwa ab 22.05 Uhr zu beobachten. Spätester Beobachtungszeitpunkt, ganz knapp über dem Nordhorizont, ist 23.30 Uhr. Umgekehrt verhält es sich am Morgen, da sind Leuchtende Nachtwolken zwischen 03.15 Uhr und 04.45 Uhr am nordöstlichen Horizont zu sehen. Optimal sind die Bedingungen, wenn die Sonne zwischen 11 und 13 Grad unter dem Horizont steht, also am Abend etwa um 22.55 Uhr oder am Morgen um 04.05 Uhr.

Am Horizont ist rötlich das Abendrot zu sehen, darüber die bläulichen Leuchtenden Nachtwolken.
Legende: Leuchtende Nachtwolken Blick von Trogen auf den Bodensee. Am Horizont unten das Abendrot, darüber die Leuchtenden Nachtwolken. Martin Consler

Offener Horizont in nördlicher Richtung

Die Leuchtenden Nachtwolken treten meist zwischen 10 und 20 Grad über dem nördlichen Horizont auf, in seltenen Fällen stehen sie höher über dem Horizont. Daher sollte der Horizont nach Norden weitgehend frei sein. Alle Bedingungen waren am Sonntagabend zwischen 22.30 und 23.00 Uhr in der Region Winterthur, aber auch sonst über weiten Teilen der Nordschweiz, zum Beispiel auch am Bodensee erfüllt. Auf der NLC-Plattform meteoros.de gingen weit über ein Dutzend Sichtungsmeldungen ein. In der Schweiz sind gute Beobachtungen selten. Schon am Abend des 16. Juni waren sogar noch hellere Leuchtende Nachtwolken über der Nordschweiz aber beispielsweise auch im Raum Walensee/Linthebene zu sehen.

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