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Bald zu spät für Massnahmen gegen die Erderwärmung?
Aus Rendez-vous vom 09.12.2019.
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UNO-Klimagipfel in Madrid Warum heute der ideale Moment ist, den Klimaschutz zu verstärken

Noch sei es nicht zu spät für den Klimaschutz, sagt Thomas Hale, der renommierte Politologe aus Oxford. Aber bald.

Den Klimawandel aufhalten kostet Geld. Kompromisse zu finden ist schwierig. Das zeigt sich derzeit an den stockenden Verhandlungen am Klimagipfel in Madrid, in denen kostbare Zeit verstreicht.

Dabei dränge die Zeit, warnt Thomas Hale, renommierter Politologe der Universität Oxford. Denn wenn der CO2-Ausstoss nicht sehr schnell reduziert werde, könnte es für Massnahmen gegen die Erderwärmung bald zu spät sein.

«Wenn die Menschheit den CO2-Ausstoss reduziert, ist das unverzichtbare Prävention, um die ernsten Folgen einer immer heisseren Erde abzuwenden.» Doch die Weltgemeinschaft habe so lange gezögert, dass es für Prävention bald zu spät sein könnte – und zwar aus politischen Gründen.

Thomas Hale

Thomas Hale

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Thomas Hale ist ausserordentlicher Professor für globale Politik an der Oxford University, Blavatnik School of Government. Zu seinen Forschungsgebieten gehört der Klimawandel auf der Ebene von internationalen Verhandlungen oder von «bottom up»-Aktionen einzelner Städte oder Firmen.

Die Website von Thomas Hale, Link öffnet in einem neuen Fenster

Ursachen- oder Symptombekämpfung?

Je stärker die Auswirkungen der Klimaerwärmung, desto mehr würden sich die Menschen von der Prävention, also der Reduktion des CO2-Ausstosses abwenden und stattdessen direkte Massnahmen gegen diese schädlichen Auswirkungen fordern – etwa wegen Ernteausfällen und höheren Lebensmittelpreisen nach einer grossen Dürre. Das bedeutet, es würden die Auswirkungen bekämpft und nicht die Ursache.

Greta Thunberg und vier andere junge Leute
Legende: Greta Thunberg und andere «Fridays for Future»-Mitglieder an der UNO-«Climate Change Conference» in Madrid. imago images / Agencia EFE

Als Beispiel erzählt Thomas Hale: «Stellen Sie sich vor, Sie seien Bürgermeister einer Stadt im Nahen Osten im Jahr 2030 oder 2035. Jede Nacht ist es 50 Grad heiss und tagsüber noch mehr, so wie es Klimaforscher voraussagen. Geben Sie dann das knappe Budget der Stadt für elektrische Busse aus, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren oder um Klimaanlagen zu subventionieren, wie es ihre Bürger verlangen?»

In Krisenzeiten handeln Regierungen nur auf kurze Sicht

Kein Politiker werde sich dem Ruf der Bürger entgegenstellen können. Untersuchungen zeigen, sagt Politologe Hale, dass Regierungen in Krisenzeiten nur noch auf kurze Sicht handeln. Für längerfristige Überlegungen fehle die Energie.

Betrachte man die Lage positiv, so sei heute der ideale Zeitpunkt, um den Klimaschutz massiv zu verstärken. Denn an vielen Orten der Welt seien zwar die ersten ernsthaften Auswirkungen der Erderwärmung zu spüren, aber noch sei die Gefahr nicht existentiell.

Zwei Ansätze stehen sich also gegenüber: Nachhaltiger Klimaschutz, der an die Ursache geht, auf der einen Seite, die blosse Bekämpfung der Auswirkungen andererseits.

Klimaschutz mit Weitsicht

Der Wille, kostspielige CO2-Reduktionen zu bezahlen, könnte bei den Menschen bald stark abnehmen. Grund dafür sind unter anderem jene Akteure, die ökonomisch darunter leiden würden – zum Beispiel die Kohle-Bergwerk-Arbeiter in Deutschland oder Länder, die Erdöl produzieren.

Saudi-Arabien etwa hat sogar schon Entschädigungen verlangt, falls es wegen des Klimaschutzes künftig weniger Öleinnahmen haben würde. Sympathisch sei das nicht, sagt Hale, aber vielleicht müsse man diese bittere Pille schlucken, um Fortschritte zu beschleunigen.

Ein Beispiel aus der Geschichte

Hale zitiert ein Beispiel aus der Geschichte: «Grossbritannien zahlte im 19. Jahrhundert reichen Landbesitzern Geld, damit sie der Freilassung ihrer Sklaven zustimmten. Es kostete den Staat enorme Summen, um etwas durchzusetzen, was man eigentlich aus moralischen Gründen tun musste.» In den USA dagegen war ein solcher Deal nicht möglich und es kam zum Bürgerkrieg.

Hale fragt sich, ob wir uns bei der Klimaerwärmung bald ähnlich schwierigen Entscheidungen gegenübersehen werden. In der Tat: bittere Pillen. Rasches Handeln beim Klimaschutz bewahrt vielleicht noch davor, sie auch schlucken zu müssen.

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