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Umstrittenes Sponsoring im Historischen Museum Basel
Aus Kultur-Aktualität vom 05.12.2019.
abspielen. Laufzeit 02:55 Minuten.
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Umstrittenes Museen-Sponsoring «Museen konkurrieren um Sponsoren, nicht Sponsoren um Museen»

Ein Basler Museum gerät wegen eines umstrittenen Sponsorings in die Schlagzeilen. Wer darf überhaupt Museen finanzieren?

400'000 Franken hat der Solothurner Peter Buser für die Nietzsche – Ausstellung im Historischen Museum Basel auf den Tisch gelegt. Der 82-Jährige inszeniert sich als Playboy und Antifeminist.

Als Begleitprogramm zur Ausstellung organisiert er ein Symposium unter dem Titel eines Nietzsche-Zitats: «Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne, Link öffnet in einem neuen Fenster». Eine Gegenleistung des Museums für das viele Geld? Beim Historischen Museum gibt man sich wortkarg und lässt schriftlich ausrichten: Über Vertragliche Details gebe man keine Auskunft.

Jedes Museum ist frei, sich für Sponsoren oder gewinnorientierte Tätigkeiten zu entscheiden. Jedoch sollte ein Sponsor gut gewählt sein, sagt SRF-Kulturredaktorin Ellinor Landmann.

Ellinor Landmann

Ellinor Landmann

Kulturredaktorin

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Ellinor Landmann studierte Kunstgeschichte an der Uni Bern und arbeitet seit 2003 als Kunstkritikerin und Kulturredaktorin für SRF 2 Kultur. Seit 2013 ist sie für den Bereich Kunst verantwortlich.

Hat das Historische Museum Basel richtig gehandelt?

Inhaltlich hat der Sponsor bei der Ausstellung nicht mitbestimmt. Das ist zentral, wenn wir über Sponsoren debattieren. Ob dieses Museum richtig gehandelt hat, kann man nicht sagen.

Dazu müsste man wissen, wie der Vertrag zwischen Peter Buser und dem Museum genau aussieht. Welche Unterstützung bzw. welche Werbung wurde für das Symposium vonseiten des Museums zugesagt im Austausch für diese 400'000 Franken?

Ohne dieses Sponsoring von Peter Buser wäre die Ausstellung nicht zustande gekommen – und das, obwohl das Historische Museum Basel zu grossen Teilen öffentlich finanziert ist. Ist das nur beim Historischen Museum Basel so?

Das ist Museumsalltag. Schweizer Museen werden zu grossen Teilen von Städten, Gemeinden und Kantonen getragen. Aber mit diesen Subventionen werden bauliche Massnahmen gezahlt, Löhne, Stromrechnungen etc. Das langweilige Zeug, das zahlt die Öffentlichkeit.

Warum? Weil man dafür keine Sponsorengelder bekommt. Diese gibt es für glamouröse Sonderausstellungen.

Gibt es denn Regeln, von wem man sich sponsern lassen darf und von wem nicht?

Nein, jedenfalls nicht im Detail. Jedes Museum ist frei, sich für Sponsoren oder gewinnorientierte Tätigkeiten zu entscheiden, solange die nicht kompromittierend wirken für das Haus, für die Besucherinnen und Besucher. So steht es ganz allgemein in den ethischen Richtlinien des internationalen Museum-Dachverbands ICOM.

Jedes Museum prüft Sponsoren und entscheidet. Und manche sagen: Wir nehmen kein Geld von Sponsoren, deren Werte oder Geschäfte wir nicht unterstützen oder teilen – dafür verzichten wir auf Mittel, die wir gut brauchen könnten.

Es gibt andere Museen, die sagen: Unser Auftrag ist es, Kunst oder Geschichte zu zeigen und darum sind wir weniger streng, wenn es um Sponsoren geht.

Aber generell kann man schon sagen: Ein Sponsor muss gut gewählt sein. Gerade in diesem Fall sieht man, wie ein Sponsor das Image eines Museums negativ beeinflussen kann.

Absolut. Imagefragen sind zentral. ICOM Schweiz hat darum auch angekündigt, dass sie der Frage, welche Sponsoren vertretbar sind, eine Fachtagung widmen wollen. Aber man muss festhalten: Sponsoren profitieren enorm von Museen.

Museen sind Glaubwürdigkeitsmaschinen. Sie zeigen, was eine Gesellschaft für wichtig und für wahr erachtet. Dort wird aufbewahrt, worüber wir uns einigen können: Das ist wichtig und darum zahlen wir auch dafür. Wer bei so einer Institution als Sponsor auftritt, bekommt ein Stück von dieser Glaubwürdigkeit. Das betrifft Peter Buser genauso wie die Credit Suisse.

Es gibt schon Argumente dafür, wählerisch in der Wahl von Sponsoren zu sein. Die Realität ist aber eine andere. Museen konkurrieren um Sponsoren, nicht Sponsoren um Museen.

Das Gespräch führte Patricia Moreno.

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