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«Noch nicht da, wo wir sein sollten»: Detlef Felken über Autorinnen im Verlagsprogramm
Aus Kultur-Aktualität vom 22.01.2020.
abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.
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Wenige Sachbücher von Frauen «Auch der Anteil der Leserinnen müsste wachsen»

Beim Blick in die Frühjahrsprogramme renommierter Verlage fällt besonders im Bereich Sachbuch auf: Nach wie vor gibt es verhältnismässig wenige Autorinnen.

Es brauche ein Umdenken von vielen Seiten, sagt Detlef Felken, Cheflektor des Verlags C.H.Beck im Gespräch.

Detlef Felken

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Detlef Felken ist Programmleiter und Cheflektor beim Verlag C.H. Beck in München.

SRF: Im aktuellen Frühjahrsprogramm Ihres Verlags stammt nur rund ein Sechstel der Bücher von Frauen. Wie erklären Sie sich dieses Ungleichgewicht?

Detlef Felken: Das aktuelle Programm ist eine Momentaufnahme, die nicht repräsentativ für die ganze Lage ist. Im kommenden Herbstprogramm zum Beispiel ist eine ganze Reihe von Frauen mit am Start. Das ist ein dynamischer Prozess.

Wenig Autorinnen im Bereich Sachbuch

Unter dem Hashtag #vorschauenzählen riefen zwei Autorinnen auf Twitter dazu auf, die Programme der grossen Verlage für Frühjahr 2020 auszuwerten. Einer der Befunde aus den gesammelten Daten: zwei Drittel der Sachbücher sind von Männern verfasst., Link öffnet in einem neuen Fenster

Das Forschungsprojekt #frauenzählen, Link öffnet in einem neuen Fenster der Universität Rostock hatte zuvor untersucht, wie sichtbar Frauen in Medien und Literaturbetrieb , Link öffnet in einem neuen Fenstersind. Im Bereich Krimi und Sachbuch ist das Geschlechterverhältnis demnach besonders ungleich.

Aber Sie haben recht: Wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten. Das hat vor allem mit dem Angebot zu tun. Nach wie vor sind deutlich mehr Männer als Autoren in den Geisteswissenschaften unterwegs als Frauen.

Uns werden deutlich mehr von Männern geschriebene Manuskripte angeboten als solche von Frauen.

Deswegen werden uns über die Agenturen und auch über unsere eigenen Kontakte immer noch deutlich mehr von Männern geschriebene Manuskripte angeboten als solche von Frauen. Das ist die Hauptursache.

Müssten denn Verlage nicht aktiv mehr tun, um gute Autorinnen zu finden?

Das tun sie ja bereits. Wir haben etwa schon vor 30 Jahren die Habilitationsschrift von Ute Frevert veröffentlicht, die heute einer der renommiertesten Historikerinnen in Deutschland ist.

Wir sind sehr daran interessiert, den Anteil der Autorinnen zu vergrössern. Es liegt ja auch in unserem eigenen Interesse, weil wir diese gesellschaftliche Veränderung wahrnehmen und mitgestalten wollen. Aber es kann sein, dass das alles noch nicht richtig ausbuchstabiert ist.

Mir fällt auf, dass gerade Sachbuchtitel, die besonders vollmundig klingen, meist von Männern kommen. Ein Beispiel: «21 Lektionen für das 21. Jahrhundert», oder «Alles unter dem Himmel. Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung». Trauen sich Männer eher einen solchen Rundumschlag zu?

Ich weiss nicht, ob das eine Frage von Zutrauen oder von Wollen ist – da bin ich selbst noch dabei, das zu ergründen. Die klassischen historischen Themen oder politischen Sachbuchthemen sind vielleicht tatsächlich eher männlich definiert. Was aber nicht bedeutet, dass dies so bleiben muss.

Ich denke, der Anteil der Leserinnen von politischen Sachbüchern wird wachsen.

Es ist ein Entwicklungsprozess im Gange, bei dem alle Beteiligten dazulernen, wie Themen behandelt und ausgerichtet werden. Das betrifft ja nicht nur die Autorinnen und Autoren, sondern auch das Publikum und die Medien selbst.

Welche Rolle spielen dabei wir als Leserinnen und Leser?

Ich habe im vergangenen Jahr in einem Seminar mit Buchhändlerinnen gehört, dass sich – noch jedenfalls – überwiegend Männer für klassische politische und historische Themen interessieren.

Natürlich liegt es in der Logik der Sache, dass auch der Anteil der Leserinnen wachsen müsste, die ein klassisches politisches Sachbuch lesen wollen – gerne auch von einer Frau geschrieben.

Das Gespräch führte Irène Grüter.

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