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Wakkerpreis: Freiräume und urbane Zwänge
Aus Kultur-Aktualität vom 14.01.2020.
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Wakkerpreis 2020 für Baden Baden hat den öffentlichen Raum an die Menschen zurückgegeben

Immer mehr Menschen teilen sich immer weniger Raum. Vor dieser Herausforderung stehen viele Schweizer Städte. Dank klugen Investitionen in öffentliche Freiräume erhält die Stadt Baden den diesjährigen Wakkerpreis.

Vorbildhaft habe Baden städtische Herausforderungen gemeistert, findet der Schweizer Heimatschutz. Und verleiht der Stadt im Limmattal dafür den Wakkerpreis 2020. «Neu gestaltete Plätze, verkehrsbefreite Gassen, kluge Anbindungen der Quartiere an die Innenstadt», damit habe Baden den Preis verdient, begründet Geschäftsführer Stefan Kunz den Entscheid des Heimatschutzes.

Trotz Verdichtung mehr Raum zum Atmen

Lebensqualität trotz verdichteter Bauweise und Verkehr zu schaffen, das sei erstrebenswert. Allzu oft schieben sich in Städten Autos als grosse Blechlawinen durch die Gassen. Es stinkt, es ist laut und es ist frustrierend. Für Menschen, die im Stau stehen, aber auch für alle, die nebenher die Strasse passieren müssen, etwa auf dem Velo.

«Ein Velo braucht vier Meter»

In Zeiten von E-Bikes wird die Frage, wem die Strasse gehört zwischen Auto- und Velofahrern immer unerbittlicher geführt. «Das Velo als schnelles Verkehrsmittel braucht vier Meter, damit es durch die Städte fahren kann», gibt der Landschaftsarchitekt Lukas Schweingruber zu bedenken. Diesen Platz gebe es zur Zeit nicht und man müsse sich überlegen, wie man den Raum teile. Schweingruber kann sich einen Verkehr vorstellen, wo alle langsam fahren oder etwa separate Spuren für alle Verkehrsteilnehmenden eingerichtet werden.

Das ist der Wakkerpreis

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Der Wakkerpreis ist mit 20'000 Franken dotiert und wird seit 1972 jedes Jahr verliehen. Er ist nach dem Geschäftsmann Henri-Louis Wakker benannt, der dem Heimatschutz einen Teil seines Vermögens vermachte. In der Regel vergibt der Schweizer Heimatschutz den Preis an eine Gemeinde, welche sich durch beispielhaften Ortsschutz und besondere Siedlungsleistungen hervorgetan hat. Ausnahmsweise wurde der Preis auch schon an Organisationen vergeben.

Baden ist die 47. Gemeinde welche den Wakkerpreis erhält. Nach Laufenburg (1985), Turgi (2002), Aarau (2014) und Rheinfelden (2016) geht der Wakkerpreis zum fünften Mal an eine Gemeinde des Kantons Aargau. Zweimal ging der Wakkerpreis in den Kanton Solothurn: im Jahr 1980 wurde Solothurn ausgezeichnet, 2008 war Grenchen an der Reihe.

Seit Jahren gestaltet Schweingruber öffentliche Räume. Dabei sieht er, dass die Menschen ihren Raum zurückerobern, wenn der Verkehr aus der Innenstadt verbannt wird. «Ich als Individuum merke, dass ich mich dort breitmachen darf», beschreibt Schweingruber seine Beobachtungen.

Zu Hause ist es zu eng geworden

Vielen seien die eigenen vier Wände zu eng geworden und sie suchten den Freiraum vor der Tür, auf dem Trottoir und in den Parks, so Schweingruber. Die Menschen getrauten sich wieder, privat zu sein im öffentlichen Raum, gemeinsam zu grillieren, zu spielen, Initiativen zu gründen.

Die Stadt Baden hat den öffentlichen Raum an die Menschen zurückgegeben, anstatt ihn rein kommerziell zu nutzen. Das ist nicht selbstverständlich, denn öffentlicher Raum mit offener Nutzung wirft keine Rendite ab, die Stadt verzichtet also auf Einnahmen.

Weitsicht lohnt sich

In Zeiten knappen Wohnraums und immer höheren Mieten ist das kurzfristig vielleicht ein Wagnis, langfristig aber zahlt es sich aus. Denn Lebensqualität ist für viele Menschen mittlerweile ein wichtiger Punkt bei dem Entscheid, wo sie leben wollen.

Für den Landschaftsarchitekten Lukas Schweingruber sind Freiräume denn auch nicht einfach nur leere Räume. Die grosse Herausforderung der Zukunft sei es, Planungen zu machen, mit denen flexibel auf Bedürfnisse reagiert werden könne, die wir heute vielleicht gar noch nicht kennen.

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Die Stadt der Zukunft – autofrei?
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