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Die arabische Welt ist immer weniger religiös
Aus Kultur-Aktualität vom 26.06.2019.
abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
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Neue Studie Verliert die arabische Welt den Glauben an die Religion?

Eine neue Studie der BBC zeigt: In der arabischen Welt sagen immer mehr Menschen, sie seien nicht religiös. Ein Erklärungsversuch.

Tunesien ist der Spitzenreiter: Über 30 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner des Maghrebstaates bezeichnen sich als überhaupt nicht religiös.

Für ein muslimisches Land ein hoher Wert. Zumal vor fünf Jahren erst 15 Prozent dieselbe Kategorie wählten.

Mit Religion nichts am Hut

Die Prozentzahlen mögen in anderen arabischen Ländern tiefer sein. Doch der Trend ist praktisch überall derselbe. Die Zahl der Menschen, die angeben, mit Religion nichts am Hut zu haben, nimmt zu.

Für die Studie der renommierten Universität Princeton im Auftrag der BBC, Link öffnet in einem neuen Fenster wurden über 25'000 Menschen aus elf arabischen Staaten befragt – von Ägypten über die Palästinensergebiete bis zu den Maghrebstaaten.

Die Golfstaaten und Saudi Arabien fehlen in der Studie, weil die Regierung den Zugang für die Interviews nicht ohne Einschränkungen gewähren wollten.

Neue Zugänge im Internet

Im Schnitt gaben 13 Prozent an, gar nicht religiös zu sein. Bei Jugendlichen waren es 18 Prozent. Tendenz steigend. Warum?

Erstens wegen des Internets und der sozialen Medien. Gerade junge Menschen haben die Möglichkeit, sich im Netz einen neuen Zugang zur Religion zu suchen.

«Konsumorientierte Erlebnisreligiosität», nennt das der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze der Universität Bern. Kommt hinzu, dass religiöse Autoritäten an Einfluss verlieren, weil die alten Männer den jungen Menschen wenig zu sagen haben.

Vom politischen Islam abgeschreckt

Der zweite Grund ist der politische Islam. Er war in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren derart omnipräsent, dass er die Alltagsfrömmigkeit förmlich überwalzte.

Sprich: Auch Musliminnen und Muslime in den arabischen Ländern fühlen sich vom politischen Islam abgestossen – und distanzieren sich dadurch auch vom Islam im Alltag.

Das zeigt sich in einem weiteren Ergebnis der Studie: Islamistische Parteien wie die Ennada in Tunesien, die Hamas im Gaza-Streifen und die Hizbollah im Libanon verlieren an Unterstützung.

Ausnahme Jemen

Die Religion verliert also in der arabischen Welt an Bedeutung, wenn auch auf einem anderen Niveau als in Europa. Eine Ausnahme bestätigt die Regel: Jemen.

Im Bürgerkriegsland sind staatliche und gesellschaftliche Strukturen zusammengebrochen. Die Religion gibt Halt, ist Auffangnetz für Arme, Kranke, Schwache. Die Religiosität in Jemen hat deshalb zugenommen – als einziges der elf Länder in der Studie.

25 Kommentare

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  • Kommentar von Edwin Schaltegger  (Edwin Schaltegger)
    Endlich mal eine positive Nachricht aus dem islamischen geografischen Raum. Der mehrheitlich konservativ geprägte Islam ist der "grösste Hemmschuh" für eine fortschrittliche, liberale, gesellschaftliche Entwicklung in diesen Ländern. Dazu gehört auch die Bildung, Forschung und technologische Entwicklung in diesen Ländern. Sie sind gegenüber westlichen und modernen asiatischen LändernLändern (China, Japan, Südkorea) um Jahrzehnte im Rückstand.
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  • Kommentar von Charles Grossrieder  (View)
    Alles was ein Mensch braucht ist eine gute ethische Erziehung, gutes Wissen und einen Glauben an sich selbst; dazu Innovation, eine gute Lebensmoral und Nächstenliebe. Dann sind alle Religionen und deren stupider Symbolismus, leeren Versprechen- und Drohungen ueberfluessig; denn gute Menschen erfüllen das von ihnen Erwartete auch ohne Religion. Wichtig ist, dass Das Virus Religion nicht schon dem Kleinkind eingepflanzt wird; dafuer aber Wissen, Selbstvertrauen und gute Ethik. Imagine (JL)
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    1. Antwort von Andreas Jörg  (Flumpi)
      Hr. Grossrieder, was ist die Basis einer "guten Ethik"? Ist Ethik absolut oder vom Zeitgeist abhängig? Ist die Meinung der Mehrheit massgeblich? Die Zehn Gebote? Wir können uns nicht am Schopf selbst aus der Tinte ziehen. Wir brauchen eine Basis.
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  • Kommentar von Erol Da Bluntschli  (h.x.)
    @OliviaT: das stimmt nicht. Ich war im Iran und habe dort Kirchen, Synagogen und zoroastrische Tempel besucht. Da werden Gottesdienste auch durchgeführt und die Gläubigen werden nicht belästigt. Was nicht erlaubt ist, ist religiöses missionieren.
    Im Nordwesten, steht das Kloster Sankt Thaddäus, wo viele Armenier an Ostern hin pillgern. Dann wird das Areal für Muslime gesperrt.
    In Saudiarabien hingegen gibt es keine Kirchen, Tempel oder Synagogen. Nur Salafisten und Wahabisten.
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