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Kinostart: «Maleficent: Mistress of Evil»
Aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 18.10.2019.
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Neu im Kino Maleficent 2: Leise Gesellschaftskritik im lauten Effekt-Gewitter

So politisch war Dornröschen noch nie. Leider geht die Botschaft des Films im tosenden CGI-Gewitter völlig unter.

Die Fee Maleficent ist verstimmt: Ihre Adoptivtochter Aurora hat beschlossen, den Prinzen Phillip zu heiraten. Sie will die Moore, in denen sie wohlbehütet aufgewachsen ist, verlassen und ins Menschen-Königreich Ulstead ziehen.

Noch weniger Begeisterung für die bevorstehende Hochzeit scheint nur Königin Ingrith aufzubringen. Phillips Mutter macht aus ihrer Verachtung gegenüber Feen keinen Hehl.

Während eines Dinners im Schloss des Königspaars erhitzen sich die Gemüter. Phillips Vater, König John, bricht zusammen und die Königin beschuldigt Maleficent, ihn verflucht zu haben.

Die Fee sieht sich gezwungen, zu fliehen. Während ihre Tochter in Ulstead Mühe bekundet, sich an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen, schmiedet Königin Ingrith einen hinterlistigen Plan.

Das populistischste Zitat

Michelle Pfeiffer als Königin Ingrith.
Legende: Schwiegermonster: Michelle Pfeiffer als Königin Ingrith. Disney

«Lock her up!» Das fordert Königin Ingrith, als Aurora sich ihrem Willen widersetzt. Trump lässt grüssen! «Maleficent: Mistress of Evil» ist ganz schön politisch für einen Disney-Film.

Die Schauspielerin

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Angelina Jolies fünf härtesten Rollen
Aus SRF Kultur vom 15.10.2019.
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Manche Leute bringen den Namen Angelina Jolie eher mit Klatschspalten als mit Kino-Neuerscheinungen in Verbindung. Das ist nachvollziehbar, wenn auch nicht ganz fair.

Tatsächlich war die 44-Jährige in diesem Jahrzehnt vor «Maleficent: Mistress of Evil» nur in vier Spielfilmen zu sehen. Dafür hat sich Jolie im gleichen Zeitraum als Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin etabliert.

Maleficent verkörpert sie, wie schon im ersten Teil, mit viel lakonisch-süffisantem Charme. Dabei darf sie wiederholt ihr komödiantisches Timing zur Schau stellen.

Fakten, die man wissen sollte

Maleficent und Dornröschen im Zeichentrick-Klassiker «Sleeping Beauty» (1959).
Legende: Maleficent und Dornröschen im Zeichentrick-Klassiker «Sleeping Beauty» (1959). imago images / United Archives

Die Figur Maleficent basiert auf der bösen Fee, die Dornröschen in den Märchen von Charles Perrault und den Gebrüdern Grimm verflucht.

Disney erschuf die Gehörnte für den 1959er Zeichentrickfilm «Sleeping Beauty». Damals war Maleficent allerdings noch durch und durch böse.

Das Urteil

Angelina Jolie in «Maleficent: Mistress of Evil»
Legende: Angelina Jolie spielt Maleficent mit trockenem Witz. Disney

Der erste Teil der «Maleficent»-Saga war eine lose Adaption der Dornröschen-Geschichte. Die Fortsetzung weicht hingegen deutlich davon ab. Die Frage des Dazugehörens erweist sich schon früh als eigentlicher Dreh- und Angelpunkt des neuen Films.

Maleficent begreift sich als Fee, die von den Menschen immer gefürchtet sein wird. Aurora als junge Frau, die ihre Heimat verlassen muss, wenn sie mit ihresgleichen leben will.

Beiden wird ständig eingeredet, dass Feen und Menschen nicht in Frieden koexistieren können. Zu gross seien die Unterschiede, sagen die vielen Multi-Kulti-Skeptiker. Auf Verständnis von der Gegenseite warte man vergebens.

Das ist pure Identitätspolitik, respektive die zeitgemässe Kritik an solcher. Gesellschaftskritische Töne, die man von einem Disney-Film nicht unbedingt erwarten würde. Leider gehen diese im tosenden CGI-Gewitter letztlich völlig unter.

Eigentlich schade. Zumal «Maleficent: Mistress of Evil» eine ausreichend talentierte Besetzung zur Verfügung gestanden wäre, um seine wichtige Botschaft massenmedial in die Welt zu tragen.

Kinostart: 17.10.2019