Neu im Kino Docteur Jack behandelt die Ärmsten Kalkuttas direkt in den Slums

Bescheidener Pionier: Seit Jahrzehnten arbeitet der britische Arzt Jack Preger für die Slumbewohner Kalkuttas. Ihm selbst war das ursprünglich keinen Film wert. Zum Glück haben die Regisseure nicht auf ihn gehört.

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Kinostart: «Docteur Jack»

1:29 min, vom 11.10.2017

«Hier kommt keine NGO her. Die sind nur im direkten Umkreis von Kalkutta aktiv, damit sie pünktlich zum Nachmittagstee wieder zurück sind.» Wer solch scharfe Worte für gemeinnützige Organisationen parat hat, sollte selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Das tut Dr. Jack Preger.

Menschen wie Preger sind rar gesät. Der englische Arzt steuert mittlerweile auf die 90 zu und sorgt mit seiner Stiftung «Calcutta Rescue» seit Jahrzehnten dafür, dass die ärmsten Einwohner der Region medizinische Versorgung und Bildung erhalten.

Dr. Jack Preger behandelt eine Frau auf der Strasse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf den Strassen Kalkuttas behandelt Dr. Jack Preger viele seiner Patienten. ADOK FILMS

Bildung statt Bordell

Auch im fortgeschrittenen Alter ist der Brite noch regelmässig in den Slums unterwegs und behandelt seine Patienten – oft gleich auf der Strasse. Er gilt als Pionier dieses Konzepts der «Street Medicine».

In einem der verruchtesten Viertel Kalkuttas hat er ein Bordell gekauft und dies zu einer Schule für benachteiligte Kinder umfunktioniert. Er verzichtet auf die Unterstützung grosser Institutionen und NGOs, um Unabhängigkeit zu bewahren.

Die Möglichkeit, einen tiefen Einblick in das Schaffen von Preger zu erhalten, verdankt der Zuschauer einem besonderen Umstand: Der Westschweizer Benoît Lange, der «Docteur Jack» zusammen mit Pierre-Antoine Hiroz gedreht hat, ist ein Freund des Doktors.

Dr. Jack Preger posiert in seinem Büro für ein Foto. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schnörkellos: Dr. Jack Preger in seinem Büro. ADOK FILMS

Ein Film für einen Freund

Als 22-Jähriger entschied sich Benoît Lange, Pregers Hilfswerk als Helfer vor Ort zu unterstützen. Dabei entdeckte er seine Leidenschaft fürs Fotografieren und Dokumentieren. Seither sind 30 Jahre vergangen, in denen die beiden in Kontakt geblieben sind.

Dass Lange nach wie vor zu Preger aufsieht, wird schnell klar, wenn man den Film sieht. Ebenso die Wertschätzung, die Preger wiederum dem Dokumentarfilmer entgegenbringt. Ohne die hätte dieser Film nicht entstehen können.

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RTS-Koproduktion

Radio Télévision Suisse (RTS) hat diesen Film koproduziert

Im Film gibt es immer wieder Momente, in denen der Doktor den Dokumentarfilmer fragt, ob die Kamera dabei sein müsse. Denn nichts wäre Preger fremder, als sich zu einer Art Heiland-Figur hochstilisieren zu lassen.

Am Ende ist ein wertvolles Zeitzeugnis entstanden, über einen bescheidenen Mann mit einer wichtigen Mission, die sein Leben bestimmt.

Kinostart: 12. Oktober 2017