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Legende: Video Cannes wirbt mit Gleichberechtigung abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.05.2019.
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Auftakt Filmfestival Cannes Mann oh Mann, was für ein Programm

Jim Jarmusch, Quentin Tarantino und Terrence Malick kämpfen um die Goldene Palme. Die Frauen kommen erneut zu kurz.

Die 2018 in Cannes unterzeichnete Charta für Genderparität hat wenig verändert: Männer dominieren wieder mal die Palmen-Hatz.

Nur vier der 21 Wettbewerbsfilme wurden von Frauen inszeniert. Das sind nicht einmal 20 Prozent.

«Ausgewogenheit im Programm ist ein Traum»

Klar, dass Festival-Direktor Thierry Frémaux auf der Pressekonferenz damit konfrontiert wurde. Dieser antwortete etwas schulmeisterlich, seine Selektion stehe nicht im Widerspruch zur Charta.

«Man darf bei der Geschlechterfrage zwei Dinge nicht vermischen. Das realisierte Gendergleichgewicht in den Auswahlgremien und die erwünschte Ausgewogenheit des Programms», so Frémaux' Antwort.

«Letztere ist ein Traum. Die Charta besagt darum nicht, dass 50 Prozent der selektionierten Filme von Frauen sein müssen.»

Das Filmfestival Cannes

Das Filmfestival Cannes
Legende:Immerhin eine Frau: Agnès Varda auf dem Cannes-Plakat.Filmfestival Cannes

Ein gediegener Herrenclub

Cannes ist wie kein anderes Festival eine Bühne der Etablierten. Und etabliert sind im Filmfestspielzirkus vor allem Männer, wie die nackten Zahlen beweisen: Nur 86 Regisseurinnen wurden in allen 72 Austragungen für den Wettbewerb in Cannes selektioniert.

1705 Männer schafften es in derselben Zeit, sich zu fürs Palmen-Rennen zu qualifizieren. Das ergibt einen mickrigen Frauenanteil von 4,8 Prozent.

Fünf Männer mit Sonnenbrille auf dem Roten teppich.
Legende: Die «Herrenrunde» der Jury: Paweł Pawlikowski, Yorgos Lanthimos, Präsident Alejandro González Iñárritu, Enki Bilal und Robin Campillo. Imago / imaginechina

Gewonnen hat die Goldene Palme erst eine Dame: Jane Campion, anno 1993. Das ist auch schon über ein Vierteljahrhundert her.

Immerhin ging eine von bisher erst sieben vergebenen Ehrenpalmen an eine Frau: Die kürzlich verstorbene Agnès Varda gewann die Trophäe 2015.

Zudem ziert die «Mutter der Nouvelle Vague» in diesem Jahr das offizielle Festivalplakat (siehe Textbox oben).

Lächerliche Massnahmen

An der Oberfläche tut Cannes also durchaus das eine oder andere für die Gleichberechtigung. Beispielsweise die Initiative «Ballon Rouge», die das Festival für Mütter attraktiver machen will: Neu gibt es einen Bereich, in dem Babys gestillt und gewickelt werden dürfen.

Doch das sind freilich alles Baby-Steps – beileibe keine grossen Schritte.

ein Mann unterschreibt an einer Pressekonferenz vor Journalisten ein Dokument.
Legende: Da gelobte er noch Besserung: 2018 versprach Thierry Frémaux, die Hälfte der Jury mit Frauen zu besetzen. Das Programm ist aber von 50/50 weit entfernt. Keystone / JOEL C RYAN

Für Filmkritikerin Leslie Felperin vom Guardian, Link öffnet in einem neuen Fenster ist das Ganze reine Makulatur: «Ich kenne keine arbeitende Mutter, die ihr Kind ans Festival mitnehmen würde. Allein die Vorstellung, sich mit dem Kinderwagen durch die Croisette zu zwängen, ist absurd.»

Ausgerechnet Delon

Wirkungsmächtiger als diese familienfreundliche Geste wäre eine weitere Ehrenpalme für eine Frau gewesen. Doch die geht in diesem Jahr an Alain Delon.

 Alain Delon auf dem Festivalplakat.
Legende: Eine umstrittene Wahl: Ehrenpalme-Empfänger Alain Delon auf einem Festivalplakat. Filmfestival Cannes

Ein Mann, der freimütig zugibt, Frauen geschlagen zu haben. Einer, der Homosexualität für «widernatürlich» hält. Einer, der Front-National-Urgestein Jean-Marie Le Pen zu seinen Freunden zählt.

«Kein Friedensnobelpreis»

Die Bekanntgabe von Delons Ehrung zog sofort Proteste nach sich. Festivaldirektor Thierry Frémaux wurde für seine Wahl massiv kritisiert.

Auf der Pressekonferenz konterte dieser routiniert, Delon werde als Schauspieler geehrt. Als einer, der wie Woody Allen ein wichtiger Teil der Geschichte von Cannes sei.

«Wir verleihen Alain Delon ja nicht den Friedensnobelpreis», meinte Frémaux abschliessend süffisant. Nur darüber lachen mochte im #MeToo-Zeitalter freilich keiner.

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