Vom Profit mit der Not

  • Mittwoch, 14. Juni 2017, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 14. Juni 2017, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 15. Juni 2017, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Montag, 19. Juni 2017, 11:15 Uhr, SRF 1
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Weltweit sind rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Es gibt so viele Flüchtlingslager wie nie zuvor. Eigentlich als Provisorien gedacht, sind viele Camps heute Dauereinrichtungen. Ein neues Geschäftsfeld ist entstanden, ein Geschäftsfeld, das private Unternehmen für sich zu nutzen wissen.

Ein Film von Nicolas Autheman und Delphine Prunaut

Die Zahl der offiziellen Flüchtlingslager hat mit 450 einen neuen Höchststand erreicht. Entsprechend ist das Angebot der humanitären Hilfe gewachsen – Dienstleistungen, mit denen Geld verdient wird. Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge und das Welternährungsprogramm sind immer mehr auf private Geschäftspartner angewiesen. Deren Produkte und Technologien finden reissenden Absatz. Von schlüsselfertigen Containerhäusern, Krankenstationen, Küchen, bis hin zu sich selbst erhitzenden Mahlzeiten oder selbst aufladbaren Lampen für Flüchtlinge – die privaten Firmen sind innovativ und wissen, wonach gefragt wird.

An einer Messe für humanitäre Bedürfnisse präsentieren 600 Aussteller aus aller Welt ihre Produkte und Dienstleistungen. Zum Beispiel IKEA mit ihren Selbstbauhäuschen für Flüchtlingslager. Warum investiert der Möbelriese in die Flüchtlingshilfe? «Wir unterstützen die Entwicklung, tun Gutes und machen Profite gleichzeitig», sagt der Verantwortliche.

Damit das Profitdenken nicht zum Hauptmotor von privaten Partnern wird, sind diese an Bedingungen gebunden. So darf eine Lebensmittelgruppe aus Kuwait, die im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari mehrere Supermärkte betreibt, nicht mehr als drei Prozent Gewinn machen. Mit den Einkaufszentren testet das Welternährungsprogramm ein neues Konzept: Die Lebensmittel werden nicht mehr verteilt, die Flüchtlinge kaufen selber ein und werden zu Konsumenten, die ihre Produkte wählen können.

Bezahlt wird per Augenscanner – auch das die Erfindung eines privaten Unternehmens, das an jeder Transaktion verdient. Entwickelt hat das Verfahren die britische Privatfirma Iris Guard. Es sei genauer als die herkömmliche Abnahme der Fingerabdrücke. Daher setzt auch die UNO auf diesen Partner. Doch Insider bemängeln die Sicherheit und den Schutz dieser sensiblen Daten, die im Kampf gegen den Terrorismus ins Visier gewisser Regierungen geraten sind.

Die Filmemacher Nicolas Autheman und Delphine Prunaut haben in Jordanien, Afrika, in Griechenland und in der Türkei gefilmt.