Review Prügeln in absurden Kostümen: «Tekken 7»

Panda mit rosa Mützchen gegen Fembot mit Kettensäge-Armen; Samurai mit Oktopus-Kopf gegen Plüschkatze-Cosplayerin: Die Figuren und Kostüme von «Tekken 7» sind absurd überdreht und grossartig.

Die Kostüme der Kämpferinnen und Kämpfer waren in Prügelspielen schon immer wichtig. Statt aber langsam ein Komplett-Outfit ums andere zu publizieren, geht «Tekken 7» einen neuen Weg: Wir können einzelne Oberteile, Beinkleider, Hüte, Brillen, Frisuren und Accessoires freischalten, fast beliebig kombinieren oder einfärben. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, unsere Figur möglichst lächerlich anzuziehen.

Freigeschaltet wird entweder im Modus «Treasure Battle», wo wir für jeden gewonnenen Kampf zufällig ein neues Kostüm-Teil erhalten. Oder gezielt, indem wir «Fight Money» ausgeben, eine Game-Währung, die wir ebenfalls für gewonnene Kämpfe erhalten. Einige spezielle Gegenstände gibt es nur für das Erfüllen spezieller Bedingungen; und einige wenige sind lediglich für echtes Geld zu haben.

Spagat zwischen Zugänglichkeit und Tiefe

Das Kampfsystem von «Tekken 7» ist noch immer zugänglicher als das des grossen Konkurrenten «Street Fighter». «Tekken» beschränkt sich auf vier Knöpfe: Je einen für linken und rechten Arm, linkes und rechtes Bein. «Street Fighter» setzt dagegen auf sechs: je einen leichten, mittleren und schweren Angriff mit Armen und Beinen. Ausserdem ist es bei «Tekken» einfacher, gegnerische Angriffe zu blocken: Wir brauchen bloss stillzuhalten. Bei «Street Fighter» dagegen müssen wir im genau richtigen Moment einen Knopf drücken.

Das ist technisch anspruchsvoll und setzt die Einstiegshürde höher an. Das einfachere System von «Tekken 7» ermöglicht hingegen einen leichten Einstieg.

Froschhut! Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Unendliche Kostümier-Optionen. Screenshot SRF

Was nicht bedeutet, dass «Tekken 7» keine Tiefe hat. Denn wie immer in Prügelspielen kommt es darauf an, die besten Kombos der Kämpfer zu lernen, also welche Knöpfe wie aneinander zu reihen. Die «Move List» der einzelnen Kämpfer umfasst teilweise fast hundert mögliche Knopf-Kombinationen, also verschiedene Angriffe. Wer eine Figur wirklich beherrschen will, hat viel Auswendiglernen und Training vor sich.

Trotzdem lässt «Tekken 7» noch immer «Button Mashing» zu – wild auf möglichst viele Knöpfe drücken und sich über die zufällige Kampfchoreographie freuen. «Tekken 7» ist damit also nicht nur für Prügelspiel-Profis sondern auch für Gelegenheitsspieler und besonders Paare geeignet.

Die neuen Systeme «Rage Art», «Power Crash» und «Screw Attack» (die Detail-Beschreibung überlasse ich den Spezialisten) machen Kämpfe etwas knapper und damit dramatischer – was von einer automatischen Zeitlupe in besonders heiklen Momenten noch unterstrichen wird.

Tolle neue Figuren

Auch die meisten der neuen Figuren gefallen mir: Lucky Chloe trägt ein rosa Katzenkostüm und hat einen schnellen, leichtfüssigen Kampfstil. Master Raven ist eine Ninja mit langen Rastalocken, die nicht nur harte Tritte austeilen, sondern auch über kurze Strecken teleportieren kann. Die Brasilianerin Katarina Alves tanzt geschmeidig und eignet sich wie auch die Filipina Josie Rizal gut für Anfänger. Gigas ist ein gewaltiger Cyborg, der mit purer Gewalt alles kaputthämmert.

Alien-Tentakel am Kopf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der alte Tekken-Liebling Yoshimitsu im neuen Oktopus-Look. Screenshot SRF

Weniger gefallen haben mir lediglich der italienische Exorzist Claudio Serafino und der saudische Bodyguard Shaheen – was aber daran liegen könnte, dass ich sie noch nicht gut genug kennengelernt habe. 38 Kämpferinnen und Kämpfer sind von Beginn weg wählbar.

Unterhaltsame, sinnfreie Geschichte mit monotonen Kämpfen

In einem Story-Modus wird uns eine Geschichte der zwei Grosskonzerne G Corporation und Mishima Zaibatsu erzählt, die einen Weltkrieg vom Zaum gerissen haben. Eine solche Geschichte mit Kampfsport zu verbinden, ist lächerlich und völlig sinnfrei, doch gerade deswegen ist die unverständliche Geschichte so unterhaltsam.

Leider nutzen sich die Kämpfe zwischen den Filmsequenzen schnell ab. Sie sind zu monoton und je nach Spiel-Einstellung entweder zu leicht und langweilig oder zu schwierig und frustrierend.

Unter dem Bein von Josie hindurch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Chloe weicht geschickt aus. Screenshot SRF

Technisch nicht das höchste Niveau

Technisch ist «Tekken 7» nicht auf dem höchsten Niveau: Die Auflösung ist mit 864p deutlich tiefer als die 1080p von «Street Fighter V». «Tekken 7» erschien schon 2015 in der Spielhalle – die ältere Technologie färbt nun auf die Heimversion ab.

Auch die Schauplätze für die Kämpfe sind mir etwas zu grau, zu braun, zu langweilig. Ich hätte mir etwas Knalligeres und helleres gewünscht. Das war aber wohl Absicht, denn vor den eintönigen Hintergründen heben sich die durchgeknallten Figuren besser ab.

Und die sind es, die mir am meisten Spass machen. «Tekken 7» nimmt sich weniger ernst als die Konkurrenz. Der Spagat zwischen Zugänglichkeit und Tiefe gelingt.

«Tekken 7» ist für Playstation 4, Xbox One und Windows PC. Es ist ab 16.