Der hässige Eliel zeigt sich auf «Hallelujah» entspannt & poppig

CH-Rap ist ein dicht besiedeltes Territorium. Technisch überdurchschnittlich zu rappen reicht bei weitem nicht aus, um aus der Masse zu stechen. Was tut also ein Eliel, der zwar Flow-technisch ein Biest ist, aber immer leicht unter dem Radar schwamm, um nun mit «Halleluja» ins Rampenlicht zu treten?

Zunächst einmal beginnt er sein Rapjahr 2017, indem er sich in einem aggressionsgeladenen Cypherauftritt die figurativen Haare ausschüttelt, und in seiner erkennbaren, leicht tief gedrückten, monotonen Battlerap-Stimme rotzt: «… ab hüt bini Partner und kein Schützling vom Effe.» Er wirkt unentspannt, geladen (durchaus keine schlechten Eigenschaften am Cypher), und die Antwort auf die Frage nach dem Grund dafür scheint logisch: Auf dem jungen Luzerner lastet viel (selbst-auferlegter) Druck.

Doubletime? Keine Chance gegen Mimiks

junger Rapper sitzt auf einem Dach Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eliel aus Luzern mit seinem Zweitling «Halleluja» Viel Druck lastete auf dem jungen Rapper, und entlud sich auf «Halleluja» grösstenteils gutgelaunt. official

Meinen ersten Eindruck von Eliel erhielt ich, als ich 2012 (?) per Zufall in Luzern am See spazieren war und aus der Distanz einen übertrieben langen Doubletime-Part gehört habe. Ich schaute mich nach Mimiks um, aber nichts da: Ein schmächtiger Teenager ballerte da die Silben raus, Eliel hiess er. So ein Vergleich ist sicher schmeichelnd für einen jungen Rapper, aber auch tückenreich. Wenn du in Luzern mit Doubletime auffallen willst, musst du Mimiks schon fast outspitten – das ist nicht ganz einfach. Und fucking anstrengend.

Fortan fiel mit Eliel immer wieder auf Featurings auf, bei Ex-Rap-Götti und Jetzt-Partner Effe zum Beispiel. Auch ein eigenes Debüt kam raus: «Morn denn» war cool. Seine Live-Auftritte aber, bei den Cyphers beispielsweise, standen meist entweder im Schatten von Effe oder waren von Eliels Anspannung geprägt. Als ich hörte, es solle ein neues Album kommen, hoffte ich auf einen leicht entspannteren Eliel, und siehe da.

Eine solide Platte, nur etwas zu cheesy

Grösstenteils ist «Halleluja» gutgelaunt. Es reicht von super-cheesy («Halleluja», «Din Song»), was mir nicht mega entspricht, bis zu den dunkleren Bangern, die man von Eliel ein Stück weit erwartet («Shaquille», «Breaking Bad»). Aber die Gute-Laune Songs sind deutlich in der Überzahl. Die klebrig-süssen Produktionen von Chekaa ziehen sich durchs Album, es hat die obligaten Afrotrapnummern – im Grossen und Ganzen: Eliel droppt ein solides Album, die Beats sind zeitgemäss, seine Rapskills gut. Von Swagsongs wie «Seebrugg» abgesehen aber bleibt inhaltlich nicht mega viel hängen – das ist aber wahrscheinlich, weil ich den deeperen Songs nicht so viel Gehör schenke wie den Clubbangern. Die Produktionen sind mir einfach ein Mü zu cheesy.

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