Ein listiger Bruder, ein toter Hahn und «grüüsiger» Kaffee

«Wir waren Selbstversorger, haben einfach gelebt und einfach gegessen», beginnt Lisbeth Gubser aus ihrem Leben zu erzählen. Aufgewachsen in einer Bergbauernfamilie war Mithilfe schon für die Kleinen eine Selbstverständlichkeit. «Sobald man ein Werkzeug halten konnte, musste man mithelfen.»

«Wir hatten ein Heimet und weiter oben ein Maiensäss», erzählt die 80-jährige, die in Flumserberg aufgewachsen ist. Das brachte im Jahresablauf viele Umzüge mit sich. Einer ist ihr bis heute in bester Erinnerung geblieben. «Im Sommer wurden auch die Hühner mit auf die Alp genommen. Für den Transport hatte der Vater eine Kiste mit Luftlöchern vorbereitet. Leider hat mein Bruder zu viele Tiere in diese Kiste verladen. Bei der Ankunft auf der Alp war der Hahn tot.»

Um einer Bestrafung durch die Eltern zu entgehen, griff der Bruder zu einer List. Er setzte den toten und noch warmen Hahn im Hühnerstall einfach auf eine Stange, so als ob er schlafen würde. Erst am zweiten Tag stellte der Vater fest, dass der Hahn nicht etwa schlief, sondern tot war. Weshalb er das Leben verlor, blieb für die Eltern ein Rätsel.

Kaffee und Würste in einem Topf

Eine lustige Anekdote fällt Lisbeth Gubser auch zu ihrem älteren Sohn ein. «Grüüsig» meinte er zum Kaffee, den er als kleiner Bub unbedingt einmal probieren wollte. Auf den Geschmack kam er etwas später dank Ferien bei Nani und Neni auf der Alp. «Du Mami, der Neni hat also besseren Kaffee gemacht als du», meinte er begeistert und erzählte, wie der Grossvater diesen feinen Kaffee zubereitete: «Er hat die Pfanne mit Wasser aufs Feuer gestellt und einfach Kaffeepulver und Milch eingerührt.» Im gleichen Topf seien später auch gleich die Würste gekocht worden, «feisse» Würste seien das gewesen.

Acht Kinder aus zwei Ehen

Traurig wird Lisbeth Gubser, wenn sie vom frühen Tod der ersten Frau ihres Vaters erzählt. Sie muss weinen. «Die erste Frau meines Vaters starb nach der Geburt des vierten Kindes an einer Lungenembolie.» Eine Magd habe sich ihr Vater nicht leisten können. Deshalb sei er mehr oder weniger gezwungen gewesen, noch einmal zu heiraten. Mit der zweiten Ehefrau hatte er noch einmal vier Kinder, Lisbeth Gubser war die Drittjüngste. Auch sie verliert ihre Mutter früh. «Ich habe sie eigentlich nie anders gekannt als alt und krank.»

Lebensgeschichten auf SRF Musikwelle

In der «Sinerzyt»-Serie «Lebensgeschichten» von SRF Musikwelle blicken Seniorinnen und Senioren zurück in die Vergangenheit. Sie erzählen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – von wichtigen Episoden aus ihrem Leben. Manchmal werden diese nur kurz gestreift, ein anderes Mal detailliert geschildert.

Sendung zu diesem Artikel