Neu im Kino «Snatched»: Blond und blöd langed nöd

Amy Schumer und Goldie Hawn, zwei der grössten weiblichen Comedy-Stars ihrer jeweiligen Generation, vereinigt in einem Film: Was kann da schon schiefgehen? Einiges, und das ist nicht nur zum Lachen.

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Neu im Kino: «Snatched»

3:54 min, vom 14.6.2017

Die ersten paar Szenen im Film «Snatched» sind richtig gut. Emily Middleton (Amy Schumer) verliert ihre Anstellung als Verkäuferin und wird von ihrem Rocker-Freund verlassen. Kurz vor den gemeinsamen Ferien in Südamerika! Das erinnert stark an Schumers letzten Film «Trainwreck» und weckt Hoffnungen auf ein ähnliches Gagfeuerwerk.

James und Emily am Tisch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Emily (Amy Schumer) erliegt der Aussicht auf eine Romanze. IMDB

Honigfalle im Paradies

Weil Emily nicht alleine nach Ecuador will, überredet sie kurzerhand ihre Stubenhockermutter Linda (Goldie Hawn), sie zu begleiten. Im Resort geht Emily dem schönen James (Tom Bateman) ins Netz, welcher die beiden zu einem Trip ins Landesinnere verführt.

Dort überlässt er sie dann kurzerhand ein paar kolumbianischen Gangstern, die so ziemlich jedem Vorurteil entsprechen. Mutter und Tochter müssen durch den Dschungel fliehen, doch die schweren Jungs sind ihnen dicht auf den Fersen.

Goldie Hawn 1969 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Goldie Hawn 1969 im Film «Cactusflower». Für diese Rolle gewann sie einen Oscar. Keystone

Goldie Hawn kann es noch immer

In «Snatched» treffen die weiblichen Aushängeschilder zweier Comedy-Generationen aufeinander. Auf der einen Seite Goldie Hawn, die mit «Cactusflower» 1969 immerhin einen Oscar gewann und auch mit 71 Jahren noch als naives blondes Dummerchen überzeugt. Das ist nicht selbstverständlich, immerhin sind seit ihrem letzten Film «The Banger Sisters» 15 Jahre vergangen.

Kein Frauen-Klischee

Andererseits Amy Schumer, die für ihrem bitterbösen Humor mit feministischem Unterton bekannt ist, den sie im eigenen Comedyformat «Inside Amy» pflegt. Ihr Spielfilmdebüt «Trainwreck» schlug 2015 ein wie eine Bombe.

Schumers Rollen weichen stark von Hollywoods Standard-Rolle für Frauen ab: Ihre Frauenfiguren sind weder schön noch nett, sondern unangenehm, egoistisch und voller Selbstironie. Gerade das macht sie aber sehr zugänglich. Und menschlich.

Unausgeschöpftes Potenzial

Schumer und Hawn – das hätte was werden können! Doch leider macht der Film nichts aus seiner vielversprechenden Ausgangslage. Nur die ersten 20 Minuten unterhalten, danach wird’s so anstrengend wie ein Animationsprogramm im Ferienresort. Auch der forcierte Ortswechsel bringt die Handlung nicht in Gang. Im Gegenteil: Im Dschungel werden echte Lacher immer seltener.

Das Format dieser Ferienkomödie scheint besonders Schumer in eine Rolle zu zwängen, die nicht zu ihr passt. Spätestens als in einer Urwaldszene ihrer Figur Emily ein höchst grotesker Bandwurm entfernt wird, wünscht man sich, sie wäre einfach zu Hause geblieben. Und hätte sich stattdessen auf der Suche nach einem neuen Freund in den Grossstadtdschungel gestürzt.

Kinostart: 15. Juni 2017